Dienstag, 6. September 2016

Kindisch

Nach vielen Monaten großer Innigkeit und Nähe gab es plötzlich einen Bruch. Ich fühlte mich nicht gut, er konnte mich nicht auffangen, sondern zog sich zurück. Das alte Muster, das alte Spiel. Ich vermochte nicht darüber zu reden, es kamen weitere Missklänge hinzu, mein innerer Ärger schwoll an, bis er gigantisch wurde. Im Gespräch mit einer Freundin wird mir klar, dass dieser Ärger hauptsächlich in meinem Kopf stattfindet. Er sieht das alles vermutlich ganz anders, nimmt die feinen Risse, die unterschwelligen Spannungen zumindest bewusst nicht wahr. Unbewusst scheint aber doch was angekommen zu sein, denn er zieht sich immer mehr zurück. Wir sehen uns monatelang nicht.

Das ist ausgerechnet eine Zeit, in der ich ohnehin zu kämpfen habe. Beruflich läuft es nicht, privat hat mich meine Vergangenheit eingeholt - Trauerbewältigung und Aufräumen sind angesagt. Selten im letzten Jahr hätte ich so dringend eine Schulter zum Ausweinen gebraucht, eine liebevolle Umarmung, ermutigende Worte. Von seiner Seite aus erhalte ich: nichts. All meine zaghaften Hinweise ignoriert er. Vielleicht nimmt er sie auch nicht wahr, denke ich zwischendrin und bin auf einmal unsicher. Immerhin äußere ich meine Bedürfnisse nicht allzu deutlich. Aber ich schaffe es immer noch nicht, mit ihm zu reden. Hauptsächlich, weil ich fürchte, dass ich das völlig Falsche sagen werde. Viel zu vorwurfsvoll. Das wird alles zerstören.

„Ich muss lernen, solche Konflikte endlich erwachsen zu lösen“, sage ich zu meiner Freundin. „Ohne Vorwürfe und ohne alles zu zerstören.“ Im Geist lege ich mir zurecht, was ich sagen will. Anfangs sind es endlos lange, zornige Reden. Später werden sie kürzer und milder. Ich will etwas Versöhnliches sagen, will ihm meine Verletzlichkeit zeigen, mich ihm öffnen und anvertrauen. Mehrmals greife ich zum Telefon, mehrmals lege ich es wieder zur Seite, weil mir die innere Gelassenheit für ein derartiges Gespräch fehlt.

Und dann will er mich urplötzlich sehen. Ich bin nicht darauf vorbereitet, nicht so schnell, nicht jetzt. Aber ich sage zu. Endlich, so denke ich, werden sich alle Spannungen zwischen uns auflösen. Wenn ich ihn erst mal sehe und umarmen kann, wird alles gut. Er kommt zu mir, es gibt schnellen, wilden Sex. Es fühlt sich alles gut an und doch spüre ich, dass etwas nicht stimmt. Wir hören relativ schnell wieder auf, liegen beieinander im Bett und reden, kommen dabei vom Stöckchen aufs Hölzchen, und statt wie sonst dabei in inniger Nähe verbunden zu sein, spüre ich, wie die Kluft zwischen uns immer größer wird. Als ich sage, wie sehr mir in den letzten schwierigen Wochen bewusst geworden ist, was mir alles fehlt in unserem Miteinander, kommt er mir nicht entgegen. Kein: „Aber hättest du doch was gesagt.“ Kein: „Ich bin doch für dich da, wenn du mich brauchst.“

Und dann geschieht es. Ich fange an, Unsinn zu reden. Fange an, mich über seine Beziehungsmuster auszulassen und darüber, dass er keine Nähe ertragen kann (als ob ich das könnte!). Ich rede so vor mich hin, es sprudelt nur so aus mir heraus. Eine unbedachte Bemerkung folgt der nächsten. Nichts davon hatte ich mir vorher in meinem Kopf zurechtgelegt. Nichts davon ist konfliktlösend oder schafft Nähe und Vertrauen. Im Gegenteil - wir treiben immer weiter auseinander. Er bleibt erstaunlich ruhig, sagt überraschend wenig zu all meinen Vorwürfen und spitzen Bemerkungen. Wir gehen sogar noch mal in eine zweite Sexrunde.

Aber zum Abschied sagt keiner von uns, dass das ein schöner Abend war. Und er sagt nicht: „Bis bald“, sondern: „Halt mich auf dem Laufenden über deine Projekte“. Er ist genauso weit weg von mir wie ich von ihm. Ich bin mir sicher, dass ich so bald nichts wieder von ihm hören werde.

Als er fort ist, hocke ich fassungslos auf meinem Bett, in mir krampft sich alles zusammen, mir ist ganz übel. Wie konnte das nur passieren? Warum habe ich alles derart vermasselt? Eine Trennung hätte ich doch auch anders einleiten können, indem ich einfach gesagt hätte: „Es geht nicht mehr.“ Und dabei weiß ich noch nicht mal, ob ich diese Trennung wirklich will. Oder war ich die ganze Zeit bloß zu feige, diesen Schritt zu wagen? Musste ich daher den Umweg gehen und ihn vergraulen, damit ich nicht selbst die Verantwortung für den finalen Schnitt übernehmen muss? Und überhaupt - wie kriegt man es hin, binnen kürzester Zeit von sehr großer Innigkeit in eine unüberbrückbare Distanz zu schliddern? Das ist mir immer noch ein Rätsel.

Ich mache mich dann mal daran, meine Einzelteile wieder zusammenzusammeln.

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Sonntag, 31. Juli 2016

Bedürftig

Ich bin dünnhäutig zurzeit. Weil es beruflich nicht so läuft. Und weil da dieses furchtbare Ereignis ist, für das ich noch keine Worte finde. Ja, und nun auch noch er. In letzter Zeit war unser Miteinander entspannt und innig, wurde genau genommen immer inniger. Er fing nach all den Jahren, die wir uns nun kennen, endlich mal an, sich für mich zu interessieren - richtig zu interessieren, nicht nur für den Sex oder meinen Job, sondern für alles. Meine Familie, meine Freunde, meine Exmänner. Das fühlte sich gut an.

Nur meine Bedürfnisse kann er nach wie vor nicht aushalten. Als ich mich nach langer Zeit mal bedürftig zeige, schreckt er zurück, versteckt sich hinter intellektuellem Geschwurbel oder tritt sofort die Flucht an, aus lauter Angst vor Gefühlen - seinen genauso wie meinen. Ich kann das beim ersten Mal noch erstaunlich gut aushalten, beim zweiten Mal nicht mehr ganz so gut. Beim dritten Mal reagiere ich sehr verärgert und denke darüber nach, ihn davonzujagen. Diese halben Sachen will ich nicht mehr, dafür bin ich zu alt und zu empfindsam geworden.

Aber ich bin auch selbstbewusster und stärker geworden, das führen mir die jüngsten Ereignisse vor Augen. Lieber verzichte ich auf Nähe und Sex, als mich ständig seinen Regeln zu unterwerfen. Nach vielen Jahren, in denen ich mich Männern viel zu oft untergeordnet habe, sage ich endlich wieder Nein. Laut und vernehmlich und kompromisslos. Das ist ein sehr gutes Gefühl und zeigt mir, dass ich zu meiner sehr lange vermissten alten Form zurückfinde.

Heute habe ich allerdings einmal zu viel Nein gesagt, denn rückblickend stellte sich heraus, dass ich in der Aufregung eine Chatnachricht von ihm völlig falsch gedeutet hatte. Der ganz normale Wahnsinn zwischen Männern und Frauen, die so oft völlig verschiedene Sprachen sprechen. Nachdem ich ein paar Stunden sehr ergrimmt war, lösen sich die Rauchwölkchen nun auf. Zurück bleibt eine leise Enttäuschung, dass er so gar nicht bereit war, im Moment auf mich einzugehen, und ein ebenso leises Lächeln darüber, wie sehr er bemüht war, mich dennoch nicht zu kränken (was leider schiefging, weil ich es nicht kapiert habe).

Nun ja, ich denke, wir werden diese kleine Krise meistern, dafür lief es insgesamt einfach zu gut in letzter Zeit. Und falls wir es nicht schaffen, ist das auch okay. Das ist das Seltsame an der Sache: Ich habe keine Verlustängste mehr. Ich weiß, dass ich blendend alleine zurechtkomme. Natürlich ist es schön mit Mann, aber da das ja sowieso nur eine halbe Sache ist, ist auch mein Herz nur noch halb dabei. Ein ganz gesunder Zustand, wie ich finde.

Und alles andere … Irgendwann werde ich die passenden Worte dafür finden. Wenn sich Herz und Seele wieder beruhigt haben.

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Montag, 4. Juli 2016

Erschöpfung

Monate voller Arbeit liegen hinter mir. Anstrengende Monate, intensive Monate. Ich kämpfte und rang, verwarf Ideen und fing von vorne an. Am Ende habe ich sehr viel Herzblut vergossen und viel Kraft gelassen. Mein aktuelles Buchprojekt hat mir mehr abverlangt als jedes davor. Das hat verschiedene Gründe. Einer ist wohl, dass ich von den Hobbyautoren ins Profilager gewechselt bin. Da kann man nicht mehr nur schreiben, wenn einen zufällig mal die Muse küsst. Man muss sich durchbeißen und dranbleiben und vor allem den Druck aushalten, den man früher nicht kannte.

Ich habe viel in dieser Zeit über mich gelernt, über meine Arbeitsweise, meine Ansprüche, meine Träume. Es war eine Zeit der inneren Immigration, in der ich das „Innen“ mehr wahrgenommen habe als das „Außen“. Aber es war eine gute Zeit, und einmal mehr habe ich gemerkt, dass es genau das ist, was ich will und was ich brauche: Über viele Monate in fremde Welten abzutauen und die Geschichten zu erzählen, die ich dort entdecke. Das Ergebnis macht mich glücklich. Es ist wohl das emotionalste Buch, das ich geschrieben habe. Manche Leute werden es kitschig, trivial und oberflächlich nennen. Und vermutlich stimmt es sogar. Aber andere Menschen werden sich von dieser Geschichte unterhalten und berührt fühlen. Und außerdem hatte ich das dringende Bedürfnis, sie zu erzählen. Nur das zählt für mich.

Nun ist das Buch veröffentlicht, viel später als geplant, völlig anders als gedacht. Und ich - sacke vollkommen zusammen. Statt erleichtert und glücklich zu sein, fühle ich mich leer und erschöpft. Seit Tagen schlafe ich nur noch, am Wochenende habe ich das Bett kaum verlassen. Ausgebrannt. Alle. Ich habe nichts mehr zu sagen und auch nicht mehr viel zu denken, obwohl in meinem Kopf die Gedanken umhergaloppieren wie durchgehende Pferde. Zudem bekümmert mich der schlechte Start des Buchs. Ich hatte mir deutlich mehr erhofft, und neben der Erschöpfung erfasst mich nun auch die Angst, dass ich scheitern könnte. Natürlich lässt sich das überhaupt noch nicht sagen, es ist ja noch so früh. Andererseits habe ich bereits genug Erfahrung, um zu wissen, wie brutal schnell dieser Markt ist. Wer nicht sofort nach oben kommt, verschwindet oft genug in der Versenkung.

War es das also schon wieder nach zwei Jahren voller Leichtigkeit, in denen mir das Geld förmlich zugeflogen ist? Zweifel machen sich breit und ich ertappe mich dabei, wie ich nach Plan B und C suche. Und dann sind da all die Stimmen um mich herum. Die ängstlichen auf der einen Seite, die nüchternen, mutigen, verträumten drum herum. Ich höre sie „Pass bloß auf!“ rufen und „Jetzt geht die Arbeit doch erst richtig los!“, „Folge deinem Herzen!“ und „Das wird schon noch!“ Ich drehe mich im Kreis, höre all diese Stimmen, kann aber gar nicht richtig darauf reagieren. In mir ist viel zu viel Unruhe, viel zu viel Erschöpfung, viel zu viel Leere, trotz aller Rastlosigkeit.

Ich muss hier raus, schreit alles in mir, ich brauche eine Pause, Urlaub, Abstand, Südsee ohne Internet und Telefon. Dumm nur, dass das Geld für die Südsee nicht reicht, es reicht genau genommen nicht mal für die Ostsee. Denn ich habe mich nicht nur körperlich, geistig, seelisch verausgabt, sondern auch finanziell.

Nun warte ich auf die Wunder, die manchmal eintreten, sehr oft aber auch nicht. Ich hatte so viel Glück in den vergangenen zwei Jahren, jetzt ist es vielleicht erst mal aufgebraucht. Vor allem aber brauche ich dringend noch mehr Schlaf. Und eine Schulter, an der ich jetzt einfach mal eine Runde weinen darf.

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Samstag, 4. Juni 2016

Aufdränger

Es ist schon ein Jammer, dass sich gewisse Klischees immer wieder erfüllen. So wie heute. Man wagt es ja angesichts all der Unwetter- und Katastrophenmeldungen kaum zu sagen, aber wir hier im Norden haben richtig Sommer. Mit blauem Himmel und Hitze und so. Temperaturen um die 28 Grad holen die Leute vor die Tür. Für alle Südländer: Nein, so warm ist es hier normalerweise Anfang Juni nicht. Überhaupt ist es im gesamten Sommer selten so warm und sonnig. Darum dürfen wir das jetzt auch mal genießen. Und darum dürfen alle, die nicht von Unwettern geplagt werden, sondern bloß mal ein bisschen Regen haben, gern den Mund halten, denn während 80 Prozent des Sommers ist das genau andersrum: Norden kalt und nass. Süden trocken und sonnig. Aber ich schweife ab.

Die Leute gehen also vor die Tür. Ich auch. Erst sitze ich auf dem Balkon und arbeite, dann, gegen Abend, packe ich einen Rucksack und gehe an die Elbe zum Strand. Ich finde ein halbwegs leeres Plätzchen. Links von mir lagert eine größere Gruppe, alle in meinem Alter. Die beachten mich gar nicht. Rechts, in deutlicher Entfernung, sitzt ein älterer einzelner Herr. Er mustert mich eingehend, als ich meine Decke ausbreite, und kurz habe ich den Impuls, weiterzugehen. Aber weiter links ist es zu voll und weiter rechts wird es bald schattig werden. Und überhaupt, nicht jeder ältere Herr, der einen beim Auspacken der Picknickutensilien beobachtet, ist gleich ein Spanner. Also bleibe ich und packe aus. Nudelsalat, Frikadellen, Brot und eine Flasche Wein.

Es ist wirklich richtig schönes Wetter und ich genieße es unendlich, hier in der Sonne auf meiner Decke zu sitzen, die Füße im Sand zu vergraben und die Schiffe auf der Elbe zu beobachten. Dass ich alleine bin, stört mich kein bisschen. Ich bin so mit mir im Reinen an diesem Abend, dass ich niemanden und nichts vermisse. Vielmehr genieße ich die Sonne und mein Essen. Oder besser: Ich würde genießen, wenn da nicht ständig dieser starrende Blick von rechts wäre. Mein erster Impuls hatte mich leider nicht getrogen. Aus den Augenwinkeln bemerke ich genau, dass der Kerl mich unentwegt beobachtet. Glauben Männer wirklich, dass Frauen es a) nicht bemerken, wenn sie angestarrt werden, oder das b) total toll finden? Nicht Euer Ernst, Jungs, oder?

Erst als sich ein Pärchen auf die freie Fläche zwischen uns legt, gibt der Mann das Glotzen auf. Doch dann verschwindet die Sonne hinter den Bäumen und lange Schatten wandern langsam von West nach Ost. Der Spanner hockt eher im Schatten als ich. Und steht bald darauf auf. Ich liege inzwischen rücklings auf meiner Decke, stütze mich auf den Ellbogen ab und schaue einem Hund zu, der in der Elbe badet. Da baut sich der Spanner direkt vor meiner Decke auf und starrt nun unverfroren auf mich herab, wie ich da so zu seinen Füßen liege. „Sie haben ja auch ordentlich aufgetischt“, zwängt er mir ein Gespräch auf. „Da war ja alles dabei, von der Vorspeise bis zum Dessert.“ Natürlich konnte er das auf die Entfernung gar nicht so genau sehen, sonst hätte er bemerkt, dass es kein Dessert gab, aber es ist klar, dass es darum nicht geht. Er sucht Kontakt.

Ich lache freundlich, bleibe aber sehr reserviert mit meinen Antworten. Das sei ja so viel gewesen, als hätte ich eine ganze Partygesellschaft erwartet, plappert er weiter und ich nicke höflich und wünsche ihn innerlich zum Teufel. „Und nun sitzen Sie immer noch alleine hier. Und Sie haben mich gar nicht eingeladen.“ Ja, denke ich, und das wird auch so bleiben. Mein Lächeln gefriert zunehmend. Einen schrecklichen Moment lang fürchte ich, der Mann werde sich direkt neben mir auf einem der letzten Sonnenplätze niederlassen. Aber zum Glück bleibt er stehen. Er habe ja gar keinen Hunger, fährt er fort, nur Durst. Sein Blick wandert vielsagend zu meinem Glas. Mein Lächeln ist wie festgetackert, aber ich sage kein Wort. „Sind Sie immer hier?“, unternimmt er einen letzten Versuch. „Nein“, sage ich und nun lächle ich gar nicht mehr. „Also nur gelegentlich?“ „Genau.“ Ich bin so reglos wie eine Sphinx. Der Mann gibt auf und verabschiedet sich freundlich.

Ich trinke Wein und bin grimmig. Die schöne Stimmung ist im Eimer. Aber im Grunde war sie das von Anfang an. Ich hatte es gewusst: Dieser Typ Mann, um die siebzig, gut situiert, durchaus attraktiv für sein Alter, ist genau der Typ Mann, mit dem ich mich seit Ewigkeiten herumschlage. Es ist die Sorte Mann, die sich für unwiderstehlich hält und mich für leichte Beute. Doch ich bin nicht interessiert, nie. Und ich würde diesen Kerlen am liebsten jedes Mal ihr schleimiges Grinsen aus dem Gesicht schlagen. Aber ich habe gelernt, höflich zu bleiben, wenn man mir höflich begegnet. Und das ist genau die Krux an der Sache: Streng genommen hat der Mann mich nicht belästigt. Er blieb die ganze Zeit höflich. Wäre er dreißig Jahre jünger und hätte etwas wirklich Witziges gesagt, hätte ich mich vielleicht über den netten Flirt gefreut. Aber so? Männer, die so eindeutig auf der Jagd sind, dass man es auf 100 Kilometer Entfernung spürt, sind die langweiligsten Jäger, die ich kenne. Und ich gestehe, ich bin froh, wenn diese Generation Mann allmählich in das Alter kommt, in dem sie sich mehr auf ihren Rollator konzentrieren muss als auf junge Frauen, die vermeintlich leicht rumzukriegen sind.

Und bevor jetzt wieder einige Herren hier beleidigt sind: Ihr seid alle nicht gemeint. Ehrlich. Und ihr dürft gerne mit mir flirten, wenn ich euch über den Weg laufe. Nur bitte nicht starren und schleimen und den Gockel mimen.

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Freitag, 18. März 2016

Tod ist doof ...

… las ich kürzlich auf einem alten Grabstein in einem Park in meiner Nachbarschaft. Jemand hatte die Worte mit Kreide auf den verwitterten Stein geschrieben. Ich habe ein Foto davon gemacht, mit dem ich im Moment am liebsten meine ganze Wohnung tapezieren würde.

Der Tod ist verdammt doof, ja. Weil er uns Menschen nimmt, die wir lieben. Weil er uns Grenzen setzt, die keiner umgehen kann. Weil er mich immer häufiger angstvoll fragen lässt, wann es wohl bei mir soweit ist.

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In diesem Jahr sterben vermutlich nicht mehr Menschen als in den meisten Jahren zuvor. An Altersschwäche, an Krankheiten, durch Unfälle, durch Attentate und Kriege. Aber es sind erschreckend viele Menschen, deren Namen ich kenne, deren Gesichter und Stimmen mir vertraut waren, deren Musik ich liebte, deren Gedanken mir gefielen - oder an denen mir gar nichts gefiel, die mich aber seit Jahrzehnten begleitet haben wie mein seltsamer Nachbar, mit dem ich nie mehr tausche als einen knappen Gruß.

David Bowie, Peter Lustig, Roger Willemsen, … und jetzt Guido Westerwelle. Mit seiner Politik konnte ich nichts anfangen, aber sein Tod berührt mich, als sei ein guter Freund gestorben. Herrje, mir war irgendwie nie bewusst, wie jung der Mann war - nur wenige Jahre älter als ich. Das ist zu jung zum Sterben, viel, viel zu jung. Und auch Roger Willemsen ist viel zu früh gegangen. Wie sehr werde ich seine sanfte, weiche Stimme vermissen, mit der er unfassbar kluge Dinge sagte, aber auch mal richtige Fiesheiten raushaute, die man so gar nicht erwartet hat. Und ich hätte ihm gern mal gesagt, dass er ein bisschen mitverantwortlich für meine Liebe zum Jazz ist.

Mir machen diese vielen prominenten Toten Angst. Weil sie mir vor Augen führen, dass ich in einem Alter angekommen bin, in dem sich die Todesfälle eben mehren. Viele Menschen, die ich seit Kindertagen kannte, sind schon jetzt nicht mehr. Und ihnen werden immer mehr folgen. Menschen aus meiner Generation und den Generationen nach mir. Menschen, deren Tod ich nicht aushalten kann, weil er zu sehr weh tut. Bis es mich irgendwann selber erwischt.

Kürzlich stürzte eine nahe Freundin die Treppe hinunter. Sie hatte Glück und zog sich nur eine schwere Platzwunde am Kopf und einige Prellungen zu. So, wie sie fiel, hätte sie sich auch das Genick brechen können. Als ich sie fragte, wer mich im Falle ihres Ablebens eigentlich informieren würde, zuckte sie mit den Schultern. Niemand vermutlich. Ihre Angehörigen kennen mich nicht. So wie auch meine Angehörigen sie nicht kennen - und die meisten anderen meiner Freunde auch nicht. Ich habe daher vor Jahren mal eine Notfallliste erstellt und meiner Schwester überreicht. Darauf sind alle Menschen vermerkt, die wissen sollten, dass ich schwer krank oder gar gestorben bin. Ich erzählte meiner Freundin davon. Und auch von meiner größten Angst, eines Tages in meiner Wohnung zu sterben und wochenlang nicht gefunden zu werden. Da lachte sie mich aus. „Was für Gedanken du dir machst!“

Ja, ich mache mir Gedanken. Mal mehr, mal weniger intensiv. Denn der Tod ist echt doof. Aber leider schert er sich einen Dreck darum.

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Cerita Sex Terbaru (Gast) - 9. Sep, 05:19
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feinstrick - 6. Sep, 21:20
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Manchmal genügt schon eine kleine Entschuldigung....
Isso (Gast) - 1. Aug, 08:51
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feinstrick - 31. Jul, 22:10

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