Montag, 4. Juli 2016

Erschöpfung

Monate voller Arbeit liegen hinter mir. Anstrengende Monate, intensive Monate. Ich kämpfte und rang, verwarf Ideen und fing von vorne an. Am Ende habe ich sehr viel Herzblut vergossen und viel Kraft gelassen. Mein aktuelles Buchprojekt hat mir mehr abverlangt als jedes davor. Das hat verschiedene Gründe. Einer ist wohl, dass ich von den Hobbyautoren ins Profilager gewechselt bin. Da kann man nicht mehr nur schreiben, wenn einen zufällig mal die Muse küsst. Man muss sich durchbeißen und dranbleiben und vor allem den Druck aushalten, den man früher nicht kannte.

Ich habe viel in dieser Zeit über mich gelernt, über meine Arbeitsweise, meine Ansprüche, meine Träume. Es war eine Zeit der inneren Immigration, in der ich das „Innen“ mehr wahrgenommen habe als das „Außen“. Aber es war eine gute Zeit, und einmal mehr habe ich gemerkt, dass es genau das ist, was ich will und was ich brauche: Über viele Monate in fremde Welten abzutauen und die Geschichten zu erzählen, die ich dort entdecke. Das Ergebnis macht mich glücklich. Es ist wohl das emotionalste Buch, das ich geschrieben habe. Manche Leute werden es kitschig, trivial und oberflächlich nennen. Und vermutlich stimmt es sogar. Aber andere Menschen werden sich von dieser Geschichte unterhalten und berührt fühlen. Und außerdem hatte ich das dringende Bedürfnis, sie zu erzählen. Nur das zählt für mich.

Nun ist das Buch veröffentlicht, viel später als geplant, völlig anders als gedacht. Und ich - sacke vollkommen zusammen. Statt erleichtert und glücklich zu sein, fühle ich mich leer und erschöpft. Seit Tagen schlafe ich nur noch, am Wochenende habe ich das Bett kaum verlassen. Ausgebrannt. Alle. Ich habe nichts mehr zu sagen und auch nicht mehr viel zu denken, obwohl in meinem Kopf die Gedanken umhergaloppieren wie durchgehende Pferde. Zudem bekümmert mich der schlechte Start des Buchs. Ich hatte mir deutlich mehr erhofft, und neben der Erschöpfung erfasst mich nun auch die Angst, dass ich scheitern könnte. Natürlich lässt sich das überhaupt noch nicht sagen, es ist ja noch so früh. Andererseits habe ich bereits genug Erfahrung, um zu wissen, wie brutal schnell dieser Markt ist. Wer nicht sofort nach oben kommt, verschwindet oft genug in der Versenkung.

War es das also schon wieder nach zwei Jahren voller Leichtigkeit, in denen mir das Geld förmlich zugeflogen ist? Zweifel machen sich breit und ich ertappe mich dabei, wie ich nach Plan B und C suche. Und dann sind da all die Stimmen um mich herum. Die ängstlichen auf der einen Seite, die nüchternen, mutigen, verträumten drum herum. Ich höre sie „Pass bloß auf!“ rufen und „Jetzt geht die Arbeit doch erst richtig los!“, „Folge deinem Herzen!“ und „Das wird schon noch!“ Ich drehe mich im Kreis, höre all diese Stimmen, kann aber gar nicht richtig darauf reagieren. In mir ist viel zu viel Unruhe, viel zu viel Erschöpfung, viel zu viel Leere, trotz aller Rastlosigkeit.

Ich muss hier raus, schreit alles in mir, ich brauche eine Pause, Urlaub, Abstand, Südsee ohne Internet und Telefon. Dumm nur, dass das Geld für die Südsee nicht reicht, es reicht genau genommen nicht mal für die Ostsee. Denn ich habe mich nicht nur körperlich, geistig, seelisch verausgabt, sondern auch finanziell.

Nun warte ich auf die Wunder, die manchmal eintreten, sehr oft aber auch nicht. Ich hatte so viel Glück in den vergangenen zwei Jahren, jetzt ist es vielleicht erst mal aufgebraucht. Vor allem aber brauche ich dringend noch mehr Schlaf. Und eine Schulter, an der ich jetzt einfach mal eine Runde weinen darf.

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Samstag, 4. Juni 2016

Aufdränger

Es ist schon ein Jammer, dass sich gewisse Klischees immer wieder erfüllen. So wie heute. Man wagt es ja angesichts all der Unwetter- und Katastrophenmeldungen kaum zu sagen, aber wir hier im Norden haben richtig Sommer. Mit blauem Himmel und Hitze und so. Temperaturen um die 28 Grad holen die Leute vor die Tür. Für alle Südländer: Nein, so warm ist es hier normalerweise Anfang Juni nicht. Überhaupt ist es im gesamten Sommer selten so warm und sonnig. Darum dürfen wir das jetzt auch mal genießen. Und darum dürfen alle, die nicht von Unwettern geplagt werden, sondern bloß mal ein bisschen Regen haben, gern den Mund halten, denn während 80 Prozent des Sommers ist das genau andersrum: Norden kalt und nass. Süden trocken und sonnig. Aber ich schweife ab.

Die Leute gehen also vor die Tür. Ich auch. Erst sitze ich auf dem Balkon und arbeite, dann, gegen Abend, packe ich einen Rucksack und gehe an die Elbe zum Strand. Ich finde ein halbwegs leeres Plätzchen. Links von mir lagert eine größere Gruppe, alle in meinem Alter. Die beachten mich gar nicht. Rechts, in deutlicher Entfernung, sitzt ein älterer einzelner Herr. Er mustert mich eingehend, als ich meine Decke ausbreite, und kurz habe ich den Impuls, weiterzugehen. Aber weiter links ist es zu voll und weiter rechts wird es bald schattig werden. Und überhaupt, nicht jeder ältere Herr, der einen beim Auspacken der Picknickutensilien beobachtet, ist gleich ein Spanner. Also bleibe ich und packe aus. Nudelsalat, Frikadellen, Brot und eine Flasche Wein.

Es ist wirklich richtig schönes Wetter und ich genieße es unendlich, hier in der Sonne auf meiner Decke zu sitzen, die Füße im Sand zu vergraben und die Schiffe auf der Elbe zu beobachten. Dass ich alleine bin, stört mich kein bisschen. Ich bin so mit mir im Reinen an diesem Abend, dass ich niemanden und nichts vermisse. Vielmehr genieße ich die Sonne und mein Essen. Oder besser: Ich würde genießen, wenn da nicht ständig dieser starrende Blick von rechts wäre. Mein erster Impuls hatte mich leider nicht getrogen. Aus den Augenwinkeln bemerke ich genau, dass der Kerl mich unentwegt beobachtet. Glauben Männer wirklich, dass Frauen es a) nicht bemerken, wenn sie angestarrt werden, oder das b) total toll finden? Nicht Euer Ernst, Jungs, oder?

Erst als sich ein Pärchen auf die freie Fläche zwischen uns legt, gibt der Mann das Glotzen auf. Doch dann verschwindet die Sonne hinter den Bäumen und lange Schatten wandern langsam von West nach Ost. Der Spanner hockt eher im Schatten als ich. Und steht bald darauf auf. Ich liege inzwischen rücklings auf meiner Decke, stütze mich auf den Ellbogen ab und schaue einem Hund zu, der in der Elbe badet. Da baut sich der Spanner direkt vor meiner Decke auf und starrt nun unverfroren auf mich herab, wie ich da so zu seinen Füßen liege. „Sie haben ja auch ordentlich aufgetischt“, zwängt er mir ein Gespräch auf. „Da war ja alles dabei, von der Vorspeise bis zum Dessert.“ Natürlich konnte er das auf die Entfernung gar nicht so genau sehen, sonst hätte er bemerkt, dass es kein Dessert gab, aber es ist klar, dass es darum nicht geht. Er sucht Kontakt.

Ich lache freundlich, bleibe aber sehr reserviert mit meinen Antworten. Das sei ja so viel gewesen, als hätte ich eine ganze Partygesellschaft erwartet, plappert er weiter und ich nicke höflich und wünsche ihn innerlich zum Teufel. „Und nun sitzen Sie immer noch alleine hier. Und Sie haben mich gar nicht eingeladen.“ Ja, denke ich, und das wird auch so bleiben. Mein Lächeln gefriert zunehmend. Einen schrecklichen Moment lang fürchte ich, der Mann werde sich direkt neben mir auf einem der letzten Sonnenplätze niederlassen. Aber zum Glück bleibt er stehen. Er habe ja gar keinen Hunger, fährt er fort, nur Durst. Sein Blick wandert vielsagend zu meinem Glas. Mein Lächeln ist wie festgetackert, aber ich sage kein Wort. „Sind Sie immer hier?“, unternimmt er einen letzten Versuch. „Nein“, sage ich und nun lächle ich gar nicht mehr. „Also nur gelegentlich?“ „Genau.“ Ich bin so reglos wie eine Sphinx. Der Mann gibt auf und verabschiedet sich freundlich.

Ich trinke Wein und bin grimmig. Die schöne Stimmung ist im Eimer. Aber im Grunde war sie das von Anfang an. Ich hatte es gewusst: Dieser Typ Mann, um die siebzig, gut situiert, durchaus attraktiv für sein Alter, ist genau der Typ Mann, mit dem ich mich seit Ewigkeiten herumschlage. Es ist die Sorte Mann, die sich für unwiderstehlich hält und mich für leichte Beute. Doch ich bin nicht interessiert, nie. Und ich würde diesen Kerlen am liebsten jedes Mal ihr schleimiges Grinsen aus dem Gesicht schlagen. Aber ich habe gelernt, höflich zu bleiben, wenn man mir höflich begegnet. Und das ist genau die Krux an der Sache: Streng genommen hat der Mann mich nicht belästigt. Er blieb die ganze Zeit höflich. Wäre er dreißig Jahre jünger und hätte etwas wirklich Witziges gesagt, hätte ich mich vielleicht über den netten Flirt gefreut. Aber so? Männer, die so eindeutig auf der Jagd sind, dass man es auf 100 Kilometer Entfernung spürt, sind die langweiligsten Jäger, die ich kenne. Und ich gestehe, ich bin froh, wenn diese Generation Mann allmählich in das Alter kommt, in dem sie sich mehr auf ihren Rollator konzentrieren muss als auf junge Frauen, die vermeintlich leicht rumzukriegen sind.

Und bevor jetzt wieder einige Herren hier beleidigt sind: Ihr seid alle nicht gemeint. Ehrlich. Und ihr dürft gerne mit mir flirten, wenn ich euch über den Weg laufe. Nur bitte nicht starren und schleimen und den Gockel mimen.

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Freitag, 18. März 2016

Tod ist doof ...

… las ich kürzlich auf einem alten Grabstein in einem Park in meiner Nachbarschaft. Jemand hatte die Worte mit Kreide auf den verwitterten Stein geschrieben. Ich habe ein Foto davon gemacht, mit dem ich im Moment am liebsten meine ganze Wohnung tapezieren würde.

Der Tod ist verdammt doof, ja. Weil er uns Menschen nimmt, die wir lieben. Weil er uns Grenzen setzt, die keiner umgehen kann. Weil er mich immer häufiger angstvoll fragen lässt, wann es wohl bei mir soweit ist.

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In diesem Jahr sterben vermutlich nicht mehr Menschen als in den meisten Jahren zuvor. An Altersschwäche, an Krankheiten, durch Unfälle, durch Attentate und Kriege. Aber es sind erschreckend viele Menschen, deren Namen ich kenne, deren Gesichter und Stimmen mir vertraut waren, deren Musik ich liebte, deren Gedanken mir gefielen - oder an denen mir gar nichts gefiel, die mich aber seit Jahrzehnten begleitet haben wie mein seltsamer Nachbar, mit dem ich nie mehr tausche als einen knappen Gruß.

David Bowie, Peter Lustig, Roger Willemsen, … und jetzt Guido Westerwelle. Mit seiner Politik konnte ich nichts anfangen, aber sein Tod berührt mich, als sei ein guter Freund gestorben. Herrje, mir war irgendwie nie bewusst, wie jung der Mann war - nur wenige Jahre älter als ich. Das ist zu jung zum Sterben, viel, viel zu jung. Und auch Roger Willemsen ist viel zu früh gegangen. Wie sehr werde ich seine sanfte, weiche Stimme vermissen, mit der er unfassbar kluge Dinge sagte, aber auch mal richtige Fiesheiten raushaute, die man so gar nicht erwartet hat. Und ich hätte ihm gern mal gesagt, dass er ein bisschen mitverantwortlich für meine Liebe zum Jazz ist.

Mir machen diese vielen prominenten Toten Angst. Weil sie mir vor Augen führen, dass ich in einem Alter angekommen bin, in dem sich die Todesfälle eben mehren. Viele Menschen, die ich seit Kindertagen kannte, sind schon jetzt nicht mehr. Und ihnen werden immer mehr folgen. Menschen aus meiner Generation und den Generationen nach mir. Menschen, deren Tod ich nicht aushalten kann, weil er zu sehr weh tut. Bis es mich irgendwann selber erwischt.

Kürzlich stürzte eine nahe Freundin die Treppe hinunter. Sie hatte Glück und zog sich nur eine schwere Platzwunde am Kopf und einige Prellungen zu. So, wie sie fiel, hätte sie sich auch das Genick brechen können. Als ich sie fragte, wer mich im Falle ihres Ablebens eigentlich informieren würde, zuckte sie mit den Schultern. Niemand vermutlich. Ihre Angehörigen kennen mich nicht. So wie auch meine Angehörigen sie nicht kennen - und die meisten anderen meiner Freunde auch nicht. Ich habe daher vor Jahren mal eine Notfallliste erstellt und meiner Schwester überreicht. Darauf sind alle Menschen vermerkt, die wissen sollten, dass ich schwer krank oder gar gestorben bin. Ich erzählte meiner Freundin davon. Und auch von meiner größten Angst, eines Tages in meiner Wohnung zu sterben und wochenlang nicht gefunden zu werden. Da lachte sie mich aus. „Was für Gedanken du dir machst!“

Ja, ich mache mir Gedanken. Mal mehr, mal weniger intensiv. Denn der Tod ist echt doof. Aber leider schert er sich einen Dreck darum.

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Donnerstag, 11. Februar 2016

Von ferne so nah

Es war vor vielen Jahren, meine erste richtige Liebesbeziehung. Ich liebte den Jungen sehr und er mich wohl auch. Doch wir begegneten uns zum falschen Zeitpunkt. Wir hatten gerade angefangen zu studieren und fühlten uns beide orientierungslos, sowohl an der Uni als auch in unserem Leben. Wir ertrugen einander nicht, weil wir uns selbst nicht ertrugen. Nach wenigen Monaten verließ er mich wieder.

Ich war sehr verzweifelt. Aber ich war auch jung. Da zieht man rasch weiter. Und so fand ich bald schon Trost bei einem anderen Mann. Er hingegen ging mit seinem besten Freund auf Reisen, ein Dreivierteljahr lang. Von unterwegs schrieb er mir Briefe, endlos lange tagebuchähnliche Reiseberichte, Monat für Monat. Ich konnte ihm nie antworten, denn er hatte keine feste Adresse. Aber ich freute mich über diese Briefe. Und ich fragte mich, was ihn dazu bewog, ausgerechnet der Frau ständig zu schreiben, von der er sich gerade erst getrennt hatte. Erkannte er in der Ferne, wie sehr er mich noch liebte? Oder brauchte er nur eine Verbindung nach Hause, einen Anker, der ihm unterwegs Halt gab? Schrieb er nur mir so ausführlich oder noch anderen Leuten? Ich erfuhr es nie, obwohl wir später wieder Kontakt hatten und sehr warm und liebevoll miteinander umgingen - immer mit einem leisen Bedauern, dass wir einander so schnell verloren hatten.

Heute erhalte ich wieder Post von einem Mann aus der Ferne. Er ist für ein Weilchen fort, und als ich ihn das letzte Mal küsste, nahm ich an, dass ich erst nach seiner Rückkehr wieder von ihm hören würde. Doch zu meiner großen Überraschung trudelte bereits wenige Tage nach seiner Abreise die erste kleine Nachricht ein. Und seitdem stehen wir beinah täglich im Kontakt, seit vielen Wochen nun schon. Mal tauschen wir Alltagsbegebenheiten aus, mal wilde erotische Fantasien. Es knistert und funkt, die Mails sind voller Albernheiten und Ernsthaftigkeiten, voller Lust und Vergnügen.

Nie zuvor haben wir in einem so intensiven Austausch gestanden. Und auch wenn es manchmal nur ein kleiner Satz am Tag ist, so ist er doch Teil einer Verbindung, die nicht abreißt. Ich bin erstaunt und verwirrt und stelle mir ähnliche Fragen wie damals vor 25 Jahren, bei meiner ersten großen Liebe. Warum schreibt er mir? Die Antworten darauf gebe ich mir selbst und sie fallen meistens recht nüchtern aus.

Ich bin mir sicher, dass es die Distanz ist, die diese Nähe erzeugt - so paradox das klingen mag. Von ferne traut man sich so manches, was nicht mehr geht, wenn man sich gegenübersteht. Ich weiß zwar, dass er, im Gegensatz zu dem Mann von damals, zu mir zurückkehren wird. Die Frage ist jedoch, wie das dann sein wird. Näher als vorher? Oder ferner? Werden wir peinlich berührt sein ob all der wilden Fantasien, die wir einander im Schutz der Entfernung anvertraut haben? Oder plötzlich fremdeln, so wie man das oft genug mit unbekannten Chatpartnern erlebt, die einem seltsam vertraut sind - bis man ihnen in echt gegenübertritt. Ich wappne mich innerlich jedenfalls schon mal für das Unvermeidliche - sofern das überhaupt geht.

Bis dahin genieße ich diesen kleinen Austausch und bedauere es fast, dass die Zeiten vorbei sind, in denen man dicke Briefe mit exotischen Briefmarken erhielt, die man in einer Schachtel aufbewahren konnte wie einen kostbaren Schatz.

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Mittwoch, 30. Dezember 2015

Ein schönes Jahr

Das vergangene Jahr war für mich eins der schönsten seit langer Zeit. Irgendwie lief alles perfekt. Ich habe 90 Prozent meiner Einnahmen durch Buchverkäufe erzielt und mir damit einen Lebenstraum erfüllt. Nun kann ich mich wohl mit Fug und Recht „Schriftstellerin“ nennen. Natürlich weiß man als Freiberufler (noch dazu mit einem kreativen Beruf) nie, ob so ein Erfolg von Dauer ist. Vielleicht erzähle ich Euch in einem Jahr, dass ich jetzt bei Aldi an der Kasse sitze. Aber das ist unerheblich, denn hier geht es ja um einen Rückblick und keinen Ausblick.

In Herzensdingen gab es erstaunliche Wendungen und überraschende Erkenntnisse. Zwar bin ich noch lange nicht da, wo ich gern sein würde, aber ich glaube, die Richtung stimmt schon mal. Jedenfalls habe ich zum ersten Mal seit Ewigkeiten das Gefühl, mich nicht in einer Liebesgeschichte zu verlieren, sondern die Bodenhaftung zu behalten. Ich genieße das, was ich bekomme, und der Rest ist nicht wichtig. Wer hätte gedacht, dass ich mal so viel Gelassenheit entwickeln würde?

Meine Freunde, die mich in den letzten Jahren durch manche Krise getragen haben, freuen sich nun mit mir über mein berufliches und privates Glück auf eine Weise, die mich immer wieder neu rührt. Wir lachen viel zusammen und einige sehr enge Bindungen wurden noch enger. Leider bleiben von Jahr zu Jahr mehr Freundschaften auf der Strecke, der Kontakt bröckelt, schwindet irgendwann ganz. Ich bedauere das zutiefst. So viele wunderbare Menschen durfte ich bereits kennenlernen - zu schade, dass meine Energie meistens nur noch für jene reicht, die regelmäßig präsent sind.

„Energie“ ist ein Thema, das mit zunehmendem Alter an Bedeutung gewinnt. Manchmal komme ich mir wie eine lahme Ente vor, die obendrein noch die schlimmste Langweilerin aller Zeiten ist. Gelegentlich sehne ich mich danach, wieder wie früher durch die Clubs zu ziehen, auf Konzerte zu gehen, die Nächte durchzutanzen. Stattdessen gehe ich um acht ins Bett und will nichts mehr erleben. Dabei habe ich in diesem Jahr sehr regelmäßig Sport gemacht, bin zweimal pro Woche ins Fitnessstudio gegangen und ab und zu noch schwimmen. Eigentlich müsste ich vor Energie nur so strotzen.

Allerdings hatte ich im Herbst eine schwere Zahn-OP, die mich ein wenig aus dem Tritt gebracht hat. Es ging einiges dabei schief, was scheußliche Erinnerungen weckte und mich auf unschöne Art in die Vergangenheit katapultierte. Aber wer weiß, wozu das gut war. Vielleicht wollten die alten Geschichten noch mal angeschaut werden. Nach der OP durfte ich vier Wochen keinen Sport machen. Kaum waren die rum, erwischte mich eine fette Erkältung, und dann war auch schon Weihnachten und das Training musste weiter warten. Nun fühle ich mich ein wenig träge und schlaff. Aber das wird im neuen Jahr garantiert anders - zumal ich es gleich richtig schön mit einer ausgedehnten Reise auf die Kanaren beginnen werde. Wenn das keine Energie gibt, dann weiß ich es auch nicht.

Jetzt schaue ich dankbar zurück und frage mich, ob ich jemals so einen lahmen Jahresrückblick verfasst habe. Aber so ist das eben, wenn alles funzt: Man hat nichts Spektakuläres zu berichten. Ich freue mich jetzt einfach auf den letzten verbleibenden Tag, den ich bei einem gemütlichen Essen mit treuen Weggefährten begehen werde. Euch allen einen guten Rutsch und ein glückliches neues Jahr!

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