Freitag, 29. Februar 2008

Späte Liebeserklärung

Ach, mein Liebster, nun hast du mich also endgültig verlassen. Immer wieder in den letzten Monaten hoffte ich, du würdest doch noch zurück kehren, ganz überraschend wieder auftauchen, an einem Ort und in einem Moment, in dem ich nicht mehr mit dir gerechnet hätte. Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich beim Einschlafen an dich denke, voller Sehnsucht – und auch voller Ärger darüber, dass du dich einfach so davon gestohlen hast, ganz ohne Abschied. Ich weiß, das ist albern und ich bin auch selbst ganz überrascht über derlei Anwandlungen, aber es ist nun mal so. Du fehlst mir. Sehr sogar. Wie oft hast du mich gewärmt, eingehüllt in schlichte Eleganz, zart und weich. Du hattest etwas Robustes, Bodenständiges, und gleichzeitig eben auch dieses Elegante, Raffinierte. Diese Mischung war es, die dich für mich so unwiderstehlich machte. Du hast mich durch sämtliche Jahreszeiten begleitet, im Sommer ebenso wie im Winter, das war das Besondere an dir, ständig warst du präsent, auf eine ganz stille, selbstverständliche Weise. Das wird mir erst jetzt bewusst. Im letzten Sommer stellte ich fest, dass du alt geworden warst. Aber nach einer kleinen Verjüngungskur und ein bisschen schwarzer Farbe auf dem schimmernden Grau sahst du wieder aus wie neu. Überhaupt hattest du dich sehr gut gehalten. Es gibt nur Wenige deiner Art, die nach so vielen Jahren noch so jung aussehen, die überhaupt nicht aus der Form gegangen sind und kein bisschen müde geworden sind. Aber dass du einfach so klammheimlich verschwunden bist, das nehme ich dir echt übel. Das hätte doch wirklich nicht sein müssen nach so langer Zeit. Ich hätte dich doch auch weiterhin pfleglich behandelt und noch viele schöne Jahre mit dir verbracht und dir schließlich ein würdevolles Begräbnis bereitet. Ich bin mir sicher, dass du es nie wieder so gut haben wirst wie bei mir.
Ach du, mein Liebster, pass gut auf dich auf, da draußen in der Fremde, wo man hoffentlich auch gut zu dir ist und dich nicht etwa in Stücke reißt oder an dir zieht und zerrt, bis es dich vollkommen zerlegt. Ein derart trauriges Ende würde ich dir wahrhaftig nicht wünschen, das hat ein so Edler wie du nicht verdient.
Ein letztes Mal umarme ich dich in Gedanken voller Sehnsucht und genieße deine Wärme.
Lebe wohl, du mein geliebter Lieblings-Strickpullover.

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