Arbeitszimmer

Montag, 4. Juli 2016

Erschöpfung

Monate voller Arbeit liegen hinter mir. Anstrengende Monate, intensive Monate. Ich kämpfte und rang, verwarf Ideen und fing von vorne an. Am Ende habe ich sehr viel Herzblut vergossen und viel Kraft gelassen. Mein aktuelles Buchprojekt hat mir mehr abverlangt als jedes davor. Das hat verschiedene Gründe. Einer ist wohl, dass ich von den Hobbyautoren ins Profilager gewechselt bin. Da kann man nicht mehr nur schreiben, wenn einen zufällig mal die Muse küsst. Man muss sich durchbeißen und dranbleiben und vor allem den Druck aushalten, den man früher nicht kannte.

Ich habe viel in dieser Zeit über mich gelernt, über meine Arbeitsweise, meine Ansprüche, meine Träume. Es war eine Zeit der inneren Immigration, in der ich das „Innen“ mehr wahrgenommen habe als das „Außen“. Aber es war eine gute Zeit, und einmal mehr habe ich gemerkt, dass es genau das ist, was ich will und was ich brauche: Über viele Monate in fremde Welten abzutauen und die Geschichten zu erzählen, die ich dort entdecke. Das Ergebnis macht mich glücklich. Es ist wohl das emotionalste Buch, das ich geschrieben habe. Manche Leute werden es kitschig, trivial und oberflächlich nennen. Und vermutlich stimmt es sogar. Aber andere Menschen werden sich von dieser Geschichte unterhalten und berührt fühlen. Und außerdem hatte ich das dringende Bedürfnis, sie zu erzählen. Nur das zählt für mich.

Nun ist das Buch veröffentlicht, viel später als geplant, völlig anders als gedacht. Und ich - sacke vollkommen zusammen. Statt erleichtert und glücklich zu sein, fühle ich mich leer und erschöpft. Seit Tagen schlafe ich nur noch, am Wochenende habe ich das Bett kaum verlassen. Ausgebrannt. Alle. Ich habe nichts mehr zu sagen und auch nicht mehr viel zu denken, obwohl in meinem Kopf die Gedanken umhergaloppieren wie durchgehende Pferde. Zudem bekümmert mich der schlechte Start des Buchs. Ich hatte mir deutlich mehr erhofft, und neben der Erschöpfung erfasst mich nun auch die Angst, dass ich scheitern könnte. Natürlich lässt sich das überhaupt noch nicht sagen, es ist ja noch so früh. Andererseits habe ich bereits genug Erfahrung, um zu wissen, wie brutal schnell dieser Markt ist. Wer nicht sofort nach oben kommt, verschwindet oft genug in der Versenkung.

War es das also schon wieder nach zwei Jahren voller Leichtigkeit, in denen mir das Geld förmlich zugeflogen ist? Zweifel machen sich breit und ich ertappe mich dabei, wie ich nach Plan B und C suche. Und dann sind da all die Stimmen um mich herum. Die ängstlichen auf der einen Seite, die nüchternen, mutigen, verträumten drum herum. Ich höre sie „Pass bloß auf!“ rufen und „Jetzt geht die Arbeit doch erst richtig los!“, „Folge deinem Herzen!“ und „Das wird schon noch!“ Ich drehe mich im Kreis, höre all diese Stimmen, kann aber gar nicht richtig darauf reagieren. In mir ist viel zu viel Unruhe, viel zu viel Erschöpfung, viel zu viel Leere, trotz aller Rastlosigkeit.

Ich muss hier raus, schreit alles in mir, ich brauche eine Pause, Urlaub, Abstand, Südsee ohne Internet und Telefon. Dumm nur, dass das Geld für die Südsee nicht reicht, es reicht genau genommen nicht mal für die Ostsee. Denn ich habe mich nicht nur körperlich, geistig, seelisch verausgabt, sondern auch finanziell.

Nun warte ich auf die Wunder, die manchmal eintreten, sehr oft aber auch nicht. Ich hatte so viel Glück in den vergangenen zwei Jahren, jetzt ist es vielleicht erst mal aufgebraucht. Vor allem aber brauche ich dringend noch mehr Schlaf. Und eine Schulter, an der ich jetzt einfach mal eine Runde weinen darf.

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Samstag, 27. Juni 2015

Die stillen Leser

Dieses Blog gibt es nun schon etliche Jahre. Ganz früher hieß es noch anders (und ich auch), und einige langjährige Leser von damals sind immer noch dabei. Kaum zu glauben. Und das, obwohl hier in letzter Zeit so wenig passiert, dass es eine Schande ist. Und auch optisch könnte mal was passieren, neues Zuhause, neue Tapeten, wer weiß. Andererseits denke ich: Ach, hier in dieser kleine, alten Bude habe ich es doch gemütlich, hier habe ich mich eingerichtet - und mit mir haben es wohl auch meine Leser getan. Allerdings weiß ich nur von wenigen, dass sie hier regelmäßig mitlesen, vor allem, weil sie Kommentare hinterlassen oder den aktuellsten Post auf Twitter faven.

Nun habe ich ja in letzter Zeit mehrfach über meine Aktivitäten als Autorin von Schundromanen berichtet. Und siehe da: Auf einmal kriege ich immer wieder zaghafte Anfragen von Leserinnen, die sich nach Jahren im Untergrund endlich mal ans Licht wagen, weil sie so wahnsinnig gern diesen Schund lesen möchten. Wie verrückt ist das denn bitte schön? Ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung von all diesen stillen Fans - wie auch, wenn sie sich nie zu erkennen geben. Ich bin ganz überwältigt und gerührt, vor allem, weil hier ja in letzter Zeit wahrlich nicht viel los war.

Und ich nehme das jetzt mal zum Anlass, Ihnen allen ein fettes DANKESCHÖN auszusprechen für diese Treue. Großartig, dass Sie das hier so lange durchgestanden haben, in turbulenten Zeiten ebenso wie in Zeiten der Dürre, an guten und an schlechten Tagen, sozusagen. Bitte bleiben Sie mir gern noch ein Weilchen gewogen. Und vor allem: Trauen Sie sich ruhig öfter mal ans Licht. Ich bin doch gar nicht so.

Ach ja, und für alle, die auch gern den Schund lesen würden, sich aber nicht zu fragen trauen: Wenn Sie mir eine Mail schicken, erhalten Sie den Link. Seien Sie allerdings gewarnt: Diese Bücher sind etwas völlig anders als dieses Blog. Sie sind seichter, trivialer Schund, gespickt mit handfester Erotik. Das sollten Sie mögen - und zwar nicht im Sinne von: Ach, na ja, ein bisschen Sex tut jedem Buch gut. Dieses Buch IST Sex. Und, ich kann es gar nicht oft genug betonen, klischeetriefender Schund. Ich schreibe das nur deshalb so ausführlich, weil einige Leserinnen wohl doch recht enttäuscht waren, bzw. nicht viel mit dieser Art Geschichten anfangen konnten. Behaupten Sie also bitte später nicht, man hätte Sie nicht gewarnt.

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Freitag, 1. Mai 2015

Absturz

Wenn man vom Schreiben leben will, ist das kein Spaß. Jedenfalls dann nicht, wenn es ans Veröffentlichen geht. Das Schreiben als solches kann qualvoll bis höchst vergnüglich sein, je nachdem, in welchem Stadium man sich gerade befindet - in der Geschichte und in sich selbst.

Für mich bestanden die vergangenen Monate aus Vergnügen. Ich war mir selbst genug, fand reichlich Unterhaltung durch die Figuren, die in meinem Kopf ein eigenwilliges Leben führten und mich bis in meine nächtlichen Träume begleiteten. Es ist nur eine kleine Geschichte, ein weiterer Schundroman, für den ich mich gelegentlich immer noch entschuldige, falls ich mit den falschen Leuten spreche. Aber es ist eine handwerklich gute Geschichte, eine, die mit den üblichen Klischees spielt und sich doch nicht aus dem vorgegebenen Rahmen bewegt.

Ich gebe es zu: Das Schreiben hat mir riesigen Spaß bereitet, ja, ein geradezu kindliches Vergnügen brachte mich dazu, all diesen Unsinn locker-leicht aus dem Ärmel zu schütteln. Das tat gut. Ich war so ausgeglichen, entspannt und zufrieden wie schon lange nicht mehr - zumal ich zum ersten Mal seit langem finanziell so gut abgesichert war, dass ich es mir erlauben konnte, für eine Weile nur zu schreiben. Etwas hatte sich verändert, leise und unbemerkt erst, dann so offensichtlich, dass Freunde mich darauf ansprachen. Meine Gelassenheit strahlte nach außen.

Und dann der Sprung in die Welt hinaus. Die Veröffentlichung. Das Sichtbarwerden. Und die Angst. Eine riesengroße Angst zu versagen. Nicht denselben überwältigenden Erfolg zu erhalten, der meinem ersten Schundroman widerfuhr. Der wurde damals über Nacht zum Bestseller, ohne dass ich irgendetwas dafür tat. Das war wie ein Lottogewinn, unfassbar und unwirklich. Ein modernes Märchen. Ich weiß, Märchen erlebt man nur einmal im Leben. Und so wappnete ich mich schon im Vorwege, dass der Lottogewinn diesmal vielleicht etwas bescheidener ausfallen könnte.

Das war gut. Und dennoch hatte ich mich von der Begeisterung vieler Freunde und Kollegen anstecken lassen, die sich sicher waren, dass ich es auch diesmal wieder packen würde. Ich hatte mich nicht auf die absolute Katastrophe vorbereitet. Darauf, komplett zu scheitern. Und so erwischt mich die Erkenntnis gerade eiskalt, dass sich das Märchen nicht fortsetzen wird, und der Aufprall auf dem Boden der Realität schmerzt so sehr, dass mir die Worte dafür fehlen.

Es hätte einfach gut getan, wenn dieses Märchen weitergegangen wäre. Damit ich da, wo ich angekommen bin, wo ich mich nach langer Zeit endlich zu Hause fühle, auch bleiben könnte. Und damit meine ich nicht die Welt der Schmuddelromane, sondern die der unabhängigen Autoren. Mit Geld erkauft man sich Freiheit - und eine Sicherheit, die ich dringend gebraucht hätte. Noch ist es viel zu früh, um eine echte Bilanz ziehen zu können. Aber ich kenne den Markt inzwischen ganz gut und weiß, dass die Verluste durch einen holprigen Start in der Regel nicht mehr wettzumachen sind. Das Geschäft, in dem ich mich bewege, ist schnelllebig und gnadenlos. Und bei aller Begeisterung und allem Glück frage ich mich gerade, ob ich das überhaupt aushalten kann, ob das wirklich meine Welt ist.

Jetzt muss ich mich erst mal sammeln und die aufsteigende Panik bezwingen, die Verzweiflung und auch die Scham darüber, dass schon wieder etwas, das ich mit viel Enthusiasmus begonnen habe, zu scheitern droht.

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Mittwoch, 10. September 2014

Schmuddelkind

Ich bin unter die Schmuddelkinder gegangen. Wobei es ja Leute gibt, die behaupten, da sei ich sowieso schon immer gewesen. Nun, wenn man bedenkt, was ich früher für Blogtexte geschrieben habe, und wenn man weiter bedenkt, wo ich lebe, dann stimmt das wohl tatsächlich irgendwie. Andererseits laufe ich auch nach all den Jahren, in denen ich in diesem Quartier wohne, gelegentlich immer noch wie eine Touristin durch die Gegend („Was es nicht alles gibt!“). Und gegen das, was ich jetzt geschrieben habe, sind meine Blogtexte ... nun ja, langweilig?

Ich habe einen sehr erotischen Roman geschrieben, verpackt in eine sehr schmalztriefende Liebesgeschichte. Es wimmelt in dem Buch nur so von Adjektiven und erotischen Handlungen, verpackt in eben jene Adjektive. Der Plot ist schnell erzählt, die Geschichte nicht minder schnell gelesen. Ich habe fürs Schreiben nur einen Bruchteil der Zeit benötigt, die ich für meine anderen Bücher üblicherweise brauche. Statt den Text zwanzigmal zu überarbeiten, waren es jetzt nur fünfmal. Und als ich keine Lust mehr hatte, habe ich einfach einen Schlusspunkt gesetzt, obwohl noch einige halbfertige Kapitel in der Schublade lagen.

Anfangs hatte ich gewisse Widerstände bei diesem Projekt, das ich ursprünglich nur aus Ärger über dieses unselige Machwerk anfing. Was diese Dame kann, kann ich auch, dachte ich empört. Doch eine Geschichte lieblos hinzurotzen, mit einem Wortschatz, der kaum größer als der einer Viertklässlerin ist, muss man erst mal hinbekommen. Ich schaffte es nicht. Das Manuskript flog in die Ecke und blieb dort ein gutes Jahr liegen. Dann gab ich den Text einer Kollegin zu lesen, sie gab ihn mir mit ein paar netten Ideen zum Plot zurück - und das Manuskript flog für ein weiteres Jahr in die Ecke.

Bis ich es vor ein paar Monaten erneut hervorholte und in schwülwarmen Sommernächten die Geschichte komplett überarbeitete und fertigerzählte. Von dem Moment an, als ich begriff, dass es keinen Sinn macht, Triviales zu kopieren, sondern ich auch Schmacht und Schmalz und heißen Sex auf meine eigene Art erzählen muss, lief es. Ja, und es läuft immer noch. Sie sehen mich fassungslos auf die Verkaufscharts stieren, denn dieses kleine, schlichte Büchlein verkauft sich wie warme Semmeln. Und das nahezu ohne Werbung, weil das Pseudonym, das ich verwendet habe, (fast) kein Mensch kennt. Ich denke, damit ist klar: Ich hänge sämtliche literarischen Ambitionen an den Nagel und schreibe nur noch solches Zeug. Alles andere ist offenbar Perlen vor die Säue.

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Samstag, 21. September 2013

Die Räuber unter uns

Ich bin unter die Selfpublisher gegangen, das heißt, ich veröffentliche Bücher ohne Verlag. Das erste Buch war ein Gemeinschaftsprojekt mit einer Freundin und erschien als Printausgabe. Es verkauft sich kaum, nicht zuletzt wohl, weil der Preis sehr hoch ist (16,90 Euro für ein Hardcover). Billiger verkaufen können wir es leider nicht, weil die Produktionskosten so hoch sind. Das ist der Nachteil beim Print-on-Demand-Verfahren.

Das zweite Buch habe ich als eBook veröffentlicht. Noch frustriert vom ersten Misserfolg ging ich wenig optimistisch an die Sache ran, gab nicht mal Geld für ein Cover aus, sondern bastelte alles selbst (was man natürlich auch sieht). Layoutkosten entfallen beim eBook zum Glück – das formatiert sich ja jeder Leser selbst. Das Ganze war also eine billige Angelegenheit – wenn man mal von den hunderten von Stunden absieht, die ich mit Schreiben und Überarbeiten verbrachte und die mir natürlich kein Mensch bezahlte. Aber was billig produziert wird, kann auch billig verkauft werden. Ich fing mit einem Einstiegspreis von 1,49 Euro an und bin nun bei 3,99 Euro. Knapp vier Euro für ein Buch, das gedruckt rund 350 Seiten hätte und eine ausgereifte, komplexe Geschichte enthält – so komplex, dass mir die Lektorin einer namhaften Agentur riet, die Handlung auf die Hälfte zu reduzieren. Dann wäre daraus einer dieser niedlichen, nichtssagenden „frechen Frauenromane“ geworden. Das kam für mich aber nicht infrage. Gerade die Geschichten hinter der Geschichte haben mich gereizt. Darum entschied ich mich gegen eine Überarbeitung und einen möglichen Verlagsvertrag.

Und meine Leserinnen (ja, ist ein Frauenbuch, auch ohne Kürzungen) geben mir recht. Zu meiner großen Überraschung schoss das Buch innerhalb kürzester Zeit in den Amazon-Verkaufsrängen nach oben – bis in die Top 100. Ich flippte aus vor Glück und Begeisterung, wohl wissend, dass so ein Erfolg ganz schnell wieder vorbei sein kann. Heute in den Top 100, morgen 10.000 Ränge weiter unten – oder so. Aber das war mir egal. Dieses Herzensprojekt flog in die Welt hinaus, nur darauf kam es an. Das Buch erhielt großartige Rezensionen, die Leserinnen waren begeistert und berührt. Ich war es auch.

Dabei kann ich auch mit diesem Buch keine Reichtümer anhäufen. Von den 3,99 Euro erhalte ich je nach Händler zwischen 1,56 und 2,35 - die ich natürlich noch versteuern muss. Sie können sich selbst ausrechnen, wie viele Bücher ich regelmäßig verkaufen müsste, um davon leben zu können. Das haut natürlich nicht hin. Dennoch sind die Tantiemen für mich als kleine Freiberuflerin sehr willkommene Extraeinnahmen, die zu meiner Existenzsicherung beitragen könnten, wenn sie dauerhafter wären. Aber, wie gesagt, Erfolg ist nicht kalkulierbar. Besonders nicht, wenn viele Leser gar nicht bereit sind, mehr als Pfennigbeträge auszugeben – falls überhaupt.

Inzwischen ist mein Buch nämlich den Raubkopierern zum Opfer gefallen. Ich hatte mir bis dato wenig Gedanken über dieses Thema gemacht, dachte immer, das beträfe nur namhafte Autoren. Doch weit gefehlt. In der letzten Woche brachen die Umsätze massiv ein. Ich dachte erst, das sei halt so – erst Top, dann Flop. Doch dann entdeckte ich, dass mein Buch auf einem halben Dutzend Plattformen aufgetaucht ist, die es kostenlos zum Download anbieten – bzw. einen Link bereitstellen, der irgendwohin führt, wo man es kostenlos downloaden kann. So können sich die Anbieter damit rühmen, nichts Illegales zu tun. Manche Seiten verlangen sogar Gebühren für den Download. Es erstaunt mich, dass irgendwer bereit ist, dieses Geld zu zahlen. Aber die Menschen sind so. Zu geizig, um Mitglied in der Stadtbibliothek zu werden, aber bereit, im Internet seltsamen Gestalten ihr Geld zu überlassen.

Ich gehe davon aus, dass mein Buch noch auf weiteren Plattformen erscheinen wird. Es scheint wie eine Seuche zu sein. Hat erst mal wer den Kopierschutz entfernt, gibt es kein Halten mehr. Auf einer der Seiten hatte es nach zwei Tagen bereits über 1.100 Klicks – mehr als ein Buch von Cornelia Funke, das zeitgleich bereitgestellt wurde. Nach drei Tagen hatte ich Frau Funke abgehängt und landete in den Top 100. Ein trauriger Ruhm.

Dann machte ich mich daran, das Thema Raubkopien näher zu beleuchten. Was kann ich tun? Was tun andere Autoren? Wie schütze ich mich zukünftig? Bei einem Autor, der vom Schreiben lebt, las ich, dass eins seiner eBooks Verkaufseinbußen von 70 Prozent hatte, nachdem es auf den illegalen Plattformen auftauchte. Sein erstes Fazit: Zukünftig keine eBooks mehr herausbringen, Printbücher werden nicht so schnell kopiert.

Ich recherchierte weiter und stellte fest: Die meisten Selfpublishing-Autoren wollen sich nicht mit dem Thema befassen. Neulinge, die es in Foren anbringen, werden nicht selten überheblich abgefertigt, oft aber einfach ignoriert. Viele Autoren scheinen der Meinung zu sein, dass das Thema sich von selbst erledigt, wenn man es nur lange genug ignoriert. Etliche sind auch gar nicht betroffen oder haben keine nennenswerten Verluste. Manche hegen sogar die Hoffnung, dass die illegale Verbreitung ihres Werkes eine gute Werbung sei und ihnen zusätzliche zahlende Leser bescheren könnte. Es gibt durchaus auch Autoren, die das Thema sehr ernst nehmen. Sie diskutieren aber oft extrem emotional und warnen vor dem Untergang des Abendlands. Das ist nun auch nicht gerade hilfreich.

Was mir auffällt: Der Zorn richtet sich meistens gegen die Seitenbetreiber, weniger gegen die User. Klar, diese Leute sind ekelhafte Menschen, denen auch ich in ohnmächtiger Wut gern mal ins Gesicht spucken würde. Aber diese Seiten würden doch nicht wie Pilze aus dem Boden schießen, wenn sie nicht von so vielen Leuten genutzt würden. Und das sind ja nicht irgendwelche dubiosen Subjekte, die über reichlich kriminelle Energie verfügen (auch wenn viele Autoren so tun, als sei es so). Das sind meine Nachbarn, Freunde, Kollegen. Das sind zum Beispiel Eltern, die für ihre Kinder Hörspiele und Musik runterladen, weil man ja als Familie eh nie genug Geld hat. Das sind Schüler, deren Taschengeld nicht für die neuesten Games reicht und die von ihren Eltern nie darauf aufmerksam gemacht wurden, dass sie etwas Verbotenes tun (im Gegenteil, Papa macht's ja auch). Das sind die Kollegen, die meinen, Hollywoodstars würden genug verdienen, da könne man ruhig mal ein paar Filme kostenlos runterladen, das schade niemandem. Ach, und Cornelia Funke gibt es jetzt auch kostenlos? Ist ja super. Deren Bücher werden sowieso zu völlig überteuerten Preisen verkauft. Und wenn dann auf diesen Plattformen auch ein paar eBooks von kleinen, namenlosen Autoren angeboten werden - ja, warum soll man die nicht auch einfach mal mitnehmen? Ach, das ist illegal? Wieso das denn? Steht doch nirgendwo, dass das Buch eigentlich was kostet. Und überhaupt – wer will denn für so was Selbstgemachtes auch noch Geld haben?

Mir scheint, das ist das Hauptproblem bei der ganzen Sache. Viele Leute meinen, im Internet könne man alles grundsätzlich umsonst beziehen und Kultur sei sowieso nichts wert. Käme irgendwer von diesen Leuten auf die Idee, bei Aldi mit einem vollen Einkaufswagen aus dem Hinterausgang abzuhauen, ohne zu bezahlen? Würde irgendwer von ihnen von seinem Friseur erwarten, zukünftig kein Geld mehr fürs Haareschneiden zu verlangen? Genau das aber tun diese Menschen – meine Nachbarn, Freunde, Kollegen, vielleicht sogar Sie, meine Blogleser. Sie alle verlangen, dass ich als Autorin für null Geld arbeite. Dass ich meine Künste ganz im Sinne einer falsch verstandenen sozialistischen Idee der Welt frei zur Verfügung stelle. Das will ich aber nicht. Jedenfalls nicht unfreiwillig. Ich werde beklaut und um meinen sehr hart verdienten Lohn gebracht. Soll ich das toll finden? Fänden Sie das toll? Ihnen würde es ja nicht mal gefallen, wenn Ihre Nachbarn Radieschen aus Ihrem Gemüsebeet klauen würden.

Was ist also die Konsequenz? Keine Bücher mehr veröffentlichen? Natürlich nicht. Jedes Mal, wenn ich eine neue illegale Seite entdecke, in Richtung der Betreiber laut brüllen „Ich wünsche euch täglichen Brechdurchfall und dass euch die Eier abfaulen“? Na ja. Hilft vielleicht für den Moment. Aber sonst? Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht. Der Verlag, bei dem ich das Buch hochgeladen habe, hat den Fall seiner Rechtsabteilung übergeben, aber signalisiert, dass man vermutlich wenig machen könne. Ich selbst fange mal damit an, ein bisschen Aufklärung in meinem privaten Umfeld zu betreiben. Und falls all diese Autoren mit ihrer Kann-man-doch-eh-nichts-machen-Haltung ihren Hintern bewegen könnten und sich ebenfalls mit ihren Nachbarn unterhalten würden, wäre das ja vielleicht ein erster Schritt in eine richtige Richtung.

PS: 3,99 geben Sie übrigens ohne zu zögern schnell mal für einen Hamburger aus. Ein industriell gefertigtes Massenprodukt, das Sie innerhalb einer halben Minute verschlingen. Ein gutes Buch würde Ihnen hingegen einige unterhaltsame Stunden bescheren und nicht nur Bauchgrummeln und Blähungen hinterlassen, sondern vielleicht auch angenehmere Gefühle. Denken Sie mal drüber nach, wenn Sie das nächste Mal etwas kostenlos erwerben möchten, das gar nicht kostenlos ist.

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Montag, 25. Februar 2013

Zahlen

Ich brüte heute den ganzen Tag über Zahlen. Irgendwas stimmt in meiner Buchhaltung nicht, mir scheint, ich habe einen grundlegenden Denkfehler gemacht, aber ich komme nicht dahinter, so sehr ich auch rechne und rechne.
Ich stecke fest.
Und irgendwann merke ich, dass das etwas sehr Grundsätzliches ist: Etwas läuft hier gerade total falsch. Aber statt loszulassen und mich wichtigeren Themen zu widmen, habe ich mich festgebissen und halte an Zahlen fest, die für meine aktuelle Situation null Relevanz haben. Sie sind Vergangenheit und bestenfalls noch mal für die Steuer interessant. Aber die lasse ich von Profis machen, damit plage ich mich selber nicht mehr rum.
Was ich tun sollte: Den ganzen Mist zur Seite legen und mich um das kümmern, was heute wichtig ist. Und morgen.
Ja, genau das sollte ich tun. Jetzt sofort.

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Montag, 18. Februar 2013

Gedächtnislücke

Anruf: „Guten Tag, Frau Feinstrick, ich rufe von der Firma XY an und habe Ihre Daten von der Frau Müller-Schmidt erhalten.“
„Äh, Firma XY? Müller-Schmidt?“
„Ja, ich dachte, Sie kennen sich.“
„Nicht dass ich wüsste. Obwohl mir der Name irgendwie bekannt vorkommt.“ Eine Million Zahnräder beginnen, in meinem Hirn zu rattern.
„Nun ja, also, es geht um Folgendes ...“
Am Ende des Gesprächs habe ich einen Auftrag halb in der Tasche, weiß aber immer noch nicht, wer Frau Müller-Schmidt ist. Die Zahnräder rattern munter weiter.
Zehn Minuten später folgt ein erneuter Anruf, zwecks Terminabsprache. „Die Frau Müller-Schmidt ist dann leider nicht dabei, aber sie sagt, sie kennt Sie sehr gut.“
„Ach, du liebe Zeit ...“
Die Zahnräder laufen sich heiß, ein Ergebnis liefern sie leider immer noch nicht. Ich lege beschämt auf und hoffe, dass ich bis zum vereinbarten Termin in zwei Tagen weiß, wer zur Hölle diese Frau ist.

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Mittwoch, 13. Februar 2013

Kurz und knackig

Früher war alles anders. Auch mein Blog. Das ist mir gerade aufgefallen. Da gab es hier viel mehr kleine, kurze Einträge, manchmal leise und poetisch, manchmal laut und blökend. Jetzt landet so was bei Twitter und verschwindet schnell im Nirwana meiner Timeline. Eigentlich ist das schade. Vielleicht sollte ich wieder häufiger kurze Sachen bloggen und nicht nur alle Jubeljahre mal was Langes. Für lange Texte fehlt mir eh immer mehr die Zeit.

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Donnerstag, 24. Januar 2013

Im Namen des Volkes

Als ich das erste Mal einer Gerichtsverhandlung beiwohnte, war ich sechzehn. Ich hatte in der Schule eine Rechtskunde-AG gewählt. Warum ich mich dafür entschied, weiß nicht mehr. Vielleicht klangen die Alternativen noch öder. Oder meine Eltern hatten mir eingeredet, dort könne ich was fürs Leben lernen. Wie auch immer – es folgten endlose Stunden mit Paragraphen, Begriffsdefinitionen, etc. Zum Abschluss stand der Besuch eines Gerichts an, der dann jedoch alles andere als öde war. An die Fälle erinnere ich mich nicht mehr, ich begriff auch nicht alles, was da verhandelt wurde. Ich weiß nur noch, dass ich es spannend fand, die Leute im Gerichtssaal zu beobachten - Richter, Anwälte, Angeklagte, Zeugen. Menschen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten waren und andere, die nun über sie urteilen mussten. Irgendwie eine unangenehme Situation. Die Angeklagten taten mir leid, sie wirkten so armselig. Ein Fall war allerdings auch lustig, es ging emotional hoch her, der Angeklagte schimpfte, ein Zeuge pöbelte, die Straftat (ein Eigentumsdelikt, wenn ich mich recht entsinne) glich einer filmreifen Posse. Alles in allem ein aufregener Nachmittag.

Bei meinem zweiten Gerichtsbesuch saß ich selber auf der Anklagebank. Ich war mittlerweile Studentin und probte mit meinen Mitbewohnerinnen den Zwergenaufstand gegen unseren Vermieter, eine große Immobilienfirma mit fragwürdigem Ruf. Die wollte nach einer notwendigen Sanierung unseres Badezimmers eine völlig überzogene Mieterhöhung durchsetzen. Auf Anraten des Mietervereins klagten wir. Das war leider keine gute Idee. Unsere Anwältin wirkte total konfus, nicht nur uns gegenüber, sondern auch bei Gericht. Das Ganze endete mit einem Vergleich. Ich fühlte mich hilflos, ausgeliefert und betrogen.

Mein dritter Kontakt mit Jura fand ebenfalls während des Studiums statt. Ich belegte das Wahlpflichtseminar „Urheber- und Verlagsrecht“. Mein eigentliches Studium hatte nichts mit Recht zu tun, dementsprechend wenig vertraut waren mir juristisches Denken und Argumentieren. Der Dozent, ein bärbeißiger Anwalt, neigte dazu, durch die Reihen zu wandern und uns nach unserer Meinung zu fragen. Ich zitterte jedes Mal, wenn er in meine Nähe kam, weil ich meistens keine Antwort auf seine spitzfindigen Fragen wusste. Das einzige, was ich begriff: Juristen nehmen es sehr genau mit Worten. Sie ergründen ein so banales Wort wie „Werk“ auf eine Weise, dass jeder Linguistiker mit den Ohren schlackern würde. Vermutlich war mein intuitives Sprachgefühl am Ende meine Rettung. Zu meiner allergrößten Überraschung gehörte ich nämlich zu den 40 Prozent, die die abschließende Hausarbeit auf Anhieb bestanden.

Nun werde ich möglicherweise wieder mit Recht zu tun haben, mit Gerichtsverhandlungen und -urteilen. Ich wurde vom Bezirksamt angeschrieben, dass ich auf einer Vorschlagsliste zur Schöffenwahl gelandet bin. Mein Name wurde aus dem amtlichen Melderegister gezogen. Um dieses Ehrenamt kann sich (fast) jeder deutsche Staatsbürger bewerben. Da es aber nicht genug Freiwillige gibt, werden nun quer durch alle Bevölkerungsschichten Leute ausgewählt und zu diesem Amt verpflichtet.

Im ersten Moment fühlte ich mich wieder wie die Sechzehnjährige. Wow, wie aufregend! Eintauchen in eine fremde Welt und jede Menge Geschichten erleben. Spannend! Doch dann stieß mir das Zwanghafte an der Sache immer mehr auf. Ich werde nämlich nicht gefragt, ob ich als Schöffin arbeiten möchte, ich muss das tun, ob ich will oder nicht. Ich muss eine „Einverständniserklärung“ unterschreiben, selbst dann, wenn ich gar nicht einverstanden mit meiner Wahl bin. Wie absurd! Ablehnen kann man dieses Amt nur aus wenigen Gründen, von denen keiner auf mich zutrifft. Sollte ich also nicht nur vorgeschlagen, sondern auch gewählt werden, so muss ich ab 2014 pro Jahr an bis zu zwölf Verhandlungstagen teilnehmen. Und das fünf Jahre lang. Das ist schon eine enorme Verpflichtung im Dienste der Demokratie.

Dann las ich auch noch diesen Artikel und dachte: „Oh je, ich will auch keine armen Seelen verknacken, die gar nichts Böses getan haben." Das Verurteilen überlasse ich gern anderen. Ich will aber auch nicht nur Statistin sein. Wozu das Ganze, wenn die Richter am Ende doch mehr oder weniger alleine entscheiden? Vor allem will ich aber eins nicht: Vom Staat zu einem Ehrenamt gezwungen werden. Was hat das denn, bitteschön, noch mit Demokratie zu tun?

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Mittwoch, 22. Februar 2012

Sieben Wochen ohne

Eigentlich ist das eine super Woche. Jeden Tag Termine, tolle Kunden, tolle Aufträge. Spaß und Erfüllung und dabei auch noch Geld verdienen. Ich müsste schweben. Stattdessen krieche ich. Das hat jede Menge Gründe. Hormone. Blockierte Gedanken. Verwirrte Herzen. Und dann dieser ganze Onlinestress. Ständig schauen, ob noch alle da sind, gucken, was sie so treiben, verfolgen, was sie gerade bewegt und beschäftigt. Ich hocke eh den ganzen Tag am Rechner, und wenn ich das auch noch abends bis spät in die Nacht tue, um zu mailen, chatten, twittern, facebooken, bloggen, dann komme ich überhaupt nicht mehr zur Ruhe. Ich schlafe extrem schlecht, schalte nicht ab, sondern chatte auch nachts noch und denke, denke, denke wie blöde vor mich hin. Ja, und die Hormone, erwähnte ich die Hormone schon? Also, kurzum, als ich heute Morgen auf dem Weg zu einem Kunden war und mir aus heiterem Himmel fast die Tränen kamen, merkte ich: Hier läuft was schief. An den Hormonen kann ich nix ändern, am Rest schon. Ich muss ein wenig raus aus diesem Karussel, in dem sich alles dreht, in dem der Fernseher läuft, während ich gleichzeitig twittere, meinen Facebookfreunden hinterher spioniere und den Termin für den nächsten Tag vorbereite. Das ist zu viel, das geht nicht.

Also habe ich beschlossen, das Internet mal eine Weile abzuschalten – jedenfalls den Teil, der mich besonders blockiert. Und da zufällig gerade heute die Fastenzeit beginnt, werde ich einfach bis Ostern auf Twitter und Facebook verzichten. Das ist eine Art Selbstversuch, und ich habe keine Ahnung, ob es funktioniert und wie es mir damit geht. Ich habe schon früher längere Pausen vom Netz gehabt – aber immer nur, weil ich gerade überhaupt keine Lust darauf hatte. Jetzt ist es anders, ich zwinge mich sozusagen, mitten aus dem Leben zu hüpfen. Prompt gab es bei Facebook schon die ersten Beschwerden, weil ich dort eine tägliche Fortsetzungsgeschichte poste, die nun mittendrin erst mal nicht weitergeht. Aber wurscht, mein Wohlbefinden und vor allem mein Job sind mir jetzt erst mal wichtiger. Bloggen werde ich sicher immer mal wieder, das ist nicht so zeitraubend und hat nicht so einen Suchtcharakter. Und jetzt wird bestimmt alles wieder gut. Wenn da bloß nicht die Hormone wären …

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