Balkonien

Donnerstag, 24. April 2008

Kommunikation

Gestern Abend fand ich auf meinem Balkon Verwüstungen vor. Einige Blumentöpfe, ein Teil der Balkonbrüstung und vor allem ein Stuhlkissen waren über und über mit feuchter Erde besprenkelt. Im ersten Moment dachte ich, ein Vogel hätte in einem der Töpfe gewühlt. Doch als ich das Kissen sah, wurde mir klar, dass das ein sehr großer Vogel gewesen sein müsste. Ich schloss Monsterangriffe in meinem Wohnviertel aus, und mit einem genervten Blick nach oben in Richtung Nachbarin sammelte ich alle Stuhlkissen ein und verzog mich ins Haus. Mir war schon den ganzen Tag über aufgefallen, dass vom Balkon über mir Wasser tropfte, auf meinen Blumentöpfen aufprallte und verspritze. Es lässt sich nicht vermeiden, dass Wasser beim Blumengießen über den Rand fließt und obwohl mich die Auswirkungen von oben ärgern, sage ich nichts dazu, weil meine Nachbarin unter mir wiederum vermutlich sehr unter meinem eigenen Hobbygärtnergetue leiden muss und das ebenfalls klaglos hinnimmt. Ein paar Häuser weiter bekam ich mal mit, wie zwei Nachbarinnen sich wegen eben jenes Sachverhalts lauthals von Balkon zu Balkon beschimpften. So weit muss es ja nicht kommen.

Als ich heute Morgen in die Küche kam, fiel mir beim Blick zum Balkon ein Kabel auf, das von oben quer zu den Nachbarn links von mir gespannt war. Bei näherem Betrachten entpuppte sich das Kabel als Paketband, an dessen Ende ein Notizzettel hing. Und bei noch näherem Betrachten entdeckte ich auf dem Zettel meinen Namen. Das Band sollte offenbar auf meinem Balkon landen, war aber durch den Wind nach links abgedriftet. Ich holte es ein und las staunend den kleinen Zettel.
„Liebe Käthe Feinstrick,
ich bin am Einpflanzen – und gebe mir wirklich Mühe, nicht daneben zu krümeln und kleckern. Trotzdem ging bzw. geht etwas daneben. Tut mir leid. Hoffe, es ist nicht so schlimm.
Frau Nachbarin
P.S. Wenn es doch sehr schlimm ist bzw. war, sag mir einfach, was ich tun kann, um es wieder gut zu machen. (ich ziehe das Band morgen Abend wieder hoch).“

Das nenne ich mal eine originelle Kommunikation. Und natürlich ist es schlimm, dass mein Stuhlkissen schmutzig geworden ist, jetzt, wo ich das alles noch mal schwarz auf weiß lese. Das lässt sich nur durch einen extra großen Eisbecher wieder gut machen. Oder durch drei Monate Treppenhausfegen. Oder…. Ich geh dann mal die Antwort schreiben.

Dienstag, 4. März 2008

Frühling

Dieser Frühling, der sich nicht so recht entscheiden kann, der überraschend ein paar Schneeflöckchen schickt und so tut, als sei er doch noch ein Winter, obwohl es den ja nie so richtig gab, jedenfalls in diesem Jahr nicht, dieser Frühling also, der sich noch so unentschlossen gibt, der vorwärts will, sich aber nicht traut, der all dem Vogelgezwitscher und den blühenden Krokussen und Kirschbäumen und Forsythien nicht glauben mag, der lieber zaghaft auf der Stelle tritt, statt selbstbewusst los zu stürmen und die Welt zu erobern, ganz darauf vertrauend, dass sie ihn liebt, so unbekümmert und jung wie er daher kommt, so frisch und neu, als sei er der erste Frühling, den sie jemals gesehen hat, und ach, diese Farben und der ganze Duft, betörend süß und so leicht, wie ein Windhauch nur im März sein kann, wenn er dem Winter entschlüpft, neckisch und verführerisch, Sehnsüchte weckt und die Fantasie anregt, Kälte und Dunkelheit vergessen lässt, auf dass wir nur noch leben, leben, leben und lieben, ja, auch das, und ach, dieser Frühling, diese Zaghaftigkeit und gleichzeitig diese Sehnsucht nach Leichtigkeit, nach Licht und Wärme, das alles lässt einen glatt vergessen, worüber man eigentlich schreiben wollte, und die Buchstaben springen einfach davon, verstecken sich hinter den ersten Gänseblümchen und den Narzissen, aber das macht gar nichts, denn so kann man einfach hinterher hüpfen und denkt nicht mehr daran, dass es noch mehr gibt im Leben als diese grenzenlose Heiterkeit.

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