Küche

Montag, 19. Oktober 2009

Ein Genuss!

Ich wollte mir den Film „Julie & Julia“ anschauen, seit ich den Trailer gesehen habe. Und dann hat es doch erst geklappt, als er nur noch in einem Kino lief, das die Größe eines Schuhkartons hat. Für das Kino gibt es keine Platzkarten, und obwohl ich früh da war, überholten mich beim Einlass plötzlich alle. Ein älterer Mann, dem es genauso ging, sagte zu mir: „Dann müssen wir wohl in der ersten Reihe sitzen. Ich wette, alle, die in der ersten Reihe sitzen, kriegen einen Kochlöffel in die Hand.“ Ich lachte gezwungen. Der Mann saß nachher tatsächlich in der ersten Reihe. Ich fand noch einen Platz weiter hinten. Meine Nachbarin warf mir ständig Blicke zu, wenn etwas witzig im Film war oder es besonders verführerische Bilder von leckerem Essen zu sehen gab – und davon gab es jede Menge. Ich fragte mich, warum sie nicht den Blickkontakt zu der Frau suchte, mit der sie ins Kino gekommen war. Hinterher sah sie mich selig an, als hätten wir beide gerade einen wundervollen Abend miteinander verbracht. Hatten wir in gewisser Weise auch.

Mir gefiel der Film. Er ist nichts Großes, mehr so das kleine Kino für zwischendurch, kein Hochglanzkino, sondern eine mit viel Liebe erzählte Geschichte. Aber genau das gefällt mir. Ich mag diese kleinen Geschichten, die das Leben schreibt, und die erst rückblickend ganz groß sind. Mir gefallen Menschen, die ihren Weg gehen, die etwas durchziehen, egal, wie absurd es erscheint und wie verrückt alle anderen sie halten. Vielleicht, weil ich selbst viel zu wenig meinen Weg gehe und mich viel zu leicht von den Meinungen anderer beeindrucken lasse. Als wir das Kino verließen, sagte eine Frau hinter mir, sie habe den Film stellenweise etwas langatmig gefunden. Das ging mir nicht so. Ich habe jede Minute genossen, auch die kleinen, leisen. Und Meryl Streep ist sowieso grandios.

Ehrlich gesagt bin ich sehr erstaunt, dass „Julie & Julia“ bei Twitter nicht rauf und runter diskutiert wurde. Denn es geht darin um die Lieblingsthemen im Web 2.0 (abgesehen von Sex): Kochen (und Essen), Bücher schreiben und Bloggen. Witzigerweise spielen alle diese Themen auch in meinem Leben eine besondere Rolle und gehen gerade eine wunderbare Melange miteinander ein. Noch ein Grund, den Film zu mögen.

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Dienstag, 5. Mai 2009

Fremde Küche

Meine Großmutter lebte in einem spießigen Ort im Schwarzwald, in dem die Menschen ihre Zeit damit verbrachten, ihre Nachbarn zu beobachten und hinter deren Rücken zu tratschen. Alles, was irgendwie anders war, was von der Norm abwich und nach Veränderung roch, wurde misstrauisch beäugt und in der Regel abgelehnt. Umso erstaunlicher war es, dass sich in diesem kleinen Ort, noch dazu mitten in einem völlig verschlafenen Wohnviertel, ein ungarisches Restaurant etablieren konnte, das bald im ganzen Landkreis für seine feine Küche bekannt war. Es war ein kleiner Familienbetrieb, der von zwei Brüdern, ihren Eltern und Ehefrauen geführt wurde. Die Männer bedienten die Gäste, die Frauen kochten.

Mein Onkel, der in unserer Familie als vergleichsweise weltoffen galt (immerhin hatte er bereits in den 60er Jahren Urlaub auf Gran Canaria gemacht), war es wohl auch, der als Erster den Mut hatte, das ungarische Restaurant zu testen. Er war begeistert, und darum war meine Großmutter, die sich sonst auch mit allem Fremden schwer tat, es auch. Als wir sie das nächste Mal besuchten, lud sie uns alle zum Ungarn ein. Zögernd betraten wir das kleine Restaurant, das viel vornehmer wirkte als all die Jägerstuben, in denen wir sonst essen gingen – was ohnehin nur äußerst selten vorkam, denn die Kultur des Genießens war meinen Eltern sehr fremd. Und auch jetzt wären sie wohl lieber zuhause geblieben, wenn meine Großmutter nicht darauf bestanden hätte, auszugehen. In diesem ungarischen Restaurant war alles anders. Auf der Karte standen kein Pommes mit Jägerschnitzel und Bratkartoffeln mit Schwarzwälder Schinken, sondern andere Gerichte, deren Namen fremd und ein wenig bedrohlich klangen. Doch die ungarischen Herren waren sehr liebenswürdig und klärten uns freundlich auf. Ich wählte schließlich ein Kalbspörkölt, das mir in seiner deutschen Übersetzung als ungarisches Gulasch sehr vertraut erschien. Was ich dann in diesem kleinen Restaurant geschmacklich erlebte, sollte mich für immer prägen, denn hier, mitten in dem Schwarzwaldort, in dem sich sonst kaum Neues tat, aß ich das beste ungarische Gulasch meines Lebens. Serviert wurde es mit hausgemachten Nockerln, die ebenfalls ein Gedicht waren, und einem Salat, der auf eine Weise gewürzt war, wie ich es nie wieder erlebt habe. Fortan gehörte es zu unserem Pflichtprogramm, bei den Ungarn essen zu gehen, wenn wir meine Großmutter besuchten. Ich schätze, die ganze Speisekarte war grandios, aber ich blieb stets beim Kalbspörkölt, in das ich mich unsterblich verliebte.

Den kleinen Familienbetrieb ereilte jedoch das Schicksal vieler solcher Unternehmen: Den Frauen war auf die Dauer die ganze Arbeit zu viel, die Ehen gingen beide in die Brüche, die Eltern waren längst zu alt, um noch im Betrieb mitzuhelfen, und so schloss das kleine, ungarische Restaurant notgedrungen mitten in der Blüte seines Daseins für immer. Ich trauerte meinem Gulasch hinterher wie einer zerbrochenen Liebe und habe noch heute den Geschmack dieses butterzarten Fleisches auf meiner Zunge und koste diese umwerfende Salatsauce. Es gab eine lange Phase in meinem Leben, in der mir Fleisch total zuwider war und ich vegetarisch lebte. Doch selbst in diesen Zeiten passierte es mir manchmal, dass mich abends im Bett plötzlich ein Heißhunger auf ungarisches Kalbspörkölt mit in Butter geschwenkten Nockerln befiel. Seit ich wieder Fleisch esse, koche ich gelegentlich Gulasch und hoffe dabei immer, es könnte irgendwie so ähnlich schmecken wie damals beim Ungarn mitten im Schwarzwald. Aber das ist natürlich lächerlich. So, wie eine zerbrochene Liebe nie wieder zu kitten ist, so werde ich auch nie wieder genau dieses Gericht essen, das schließlich nicht nur mit Zwiebeln und viel Paprika gewürzt war, sondern auch mit meiner kindlichen Neugier und dem exotischen Geschmack, den alles Fremde inne hat.

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Mittwoch, 20. Februar 2008

Höchststrafe

Gibt es jemanden, auf den Sie stinksauer sind und der mal einen richtig fiesen Denkzettel verpasst kriegen muss? Sagen wir zum Beispiel der Kollege, der Sie immer mit der ganzen Arbeit alleine sitzen lässt, es aber regelmäßig schafft, den Chef davon zu überzeugen, dass er ein Genie ist und Sie ein Versager sind. Oder der Typ, der kackendreist vorwärts in Ihre Parklücke fährt, während Sie gerade gepflegt rückwärts einparken wollen. Oder Ihr Göttergatte, der Sie mit seiner Sekretärin betrügt – ein Klassiker, der auch dadurch nicht aus der Mode gekommen ist, dass es jetzt nicht mehr Sekretärin sondern Assistentin heißt.

Also, wenn Sie vor Rache schäumen und vor ohnmächtiger Wut zittern, dann machen Sie doch einfach mal folgendes:
Packen Sie Ihr Objekt des Zorns am Kragen, schleppen es in Ihre Küche vor die Kühl-Gefrierkombi, zwingen es, alle Fächer leer zu räumen, Tiefkühlprodukte zu entsorgen und den Rest auf dem Balkon oder im Keller zwischenzulagern, das Abtauen des Gefrierschranks zu überwachen (was gut und gerne 5-6 Stunden dauern kann), dabei aufzupassen, dass nicht der ganze Küchenboden überschwemmt (also immer schön Tücher und Auffangschalen wechseln lassen), sämtliche Plastikschalen, Gitter, Glasscheiben und Fächer zu reinigen, alle Gläser, Flaschen, Päckchen, Tuben, Tetrapacks etc. wieder einzuräumen und anschließend den Küchenfußboden und das Spülbecken sauber zu wischen.
Wenn Ihre Rachegelüste dann immer noch nicht gestillt sind, können Sie den Angeklagten auch noch dazu verurteilen, sämtliche 35 bei der Aktion nass und schmutzig gewordenen Geschirr- und Wischtücher zu waschen und anschließend zu bügeln.

Sie werden sehen, eine grausamere, gemeinere und demütigendere Strafarbeit gibt es nicht.

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