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    <title>Käthe Feinstrick : Rubrik:Wohnzimmer</title>
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  <image rdf:about="http://static.twoday.net/feinstrick/images/icon.jpg">
    <title>Käthe Feinstrick</title>
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  <item rdf:about="http://feinstrick.twoday.net/stories/5114189/">
    <title>Zeit</title>
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    <description>Ich kann diese Leute nicht verstehen, die ständig behaupten, die Zeit würde so schnell vergehen, sagt er. Ich empfinde das gar nicht so. Mein Leben ist voll von schönen Dingen und ich genieße es unendlich, jeden einzelnen Augenblick.&lt;br /&gt;
Ich schaue ihn überrascht an.&lt;br /&gt;
Meine Lebenszeit rast ehrlich gesagt auch ziemlich dahin, sage ich. Viel schneller als mir lieb ist. Jetzt zum Beispiel kann ich kaum glauben, dass schon August ist. Hat der Sommer nicht gerade erst angefangen?&lt;br /&gt;
Und ich schüttele ungläubig den Kopf und frage mich, wo all die Wochen hin sind, die langen, lauen Nächte, die Hitze, das Laufen im kurzen Sommerkleid, das Gefühl von Freiheit, das man im Sommer so gerne verspürt. Stattdessen ist es grau und stürmisch und ich fühle mich sehr herbstlich und erkenne beklommen, dass dieses Jahr seinen Zenit schon lange überschritten hat.&lt;br /&gt;
Nun ja, unterbricht er meine Gedanken und mustert mich aufmerksam, vielleicht liegt es daran, dass die Zeit schneller vergeht, wenn man auf der Suche nach etwas ist. &lt;br /&gt;
Wieder bin ich überrascht. Und dann beobachte ich ihn nachdenklich, wie er mit seinem Bier in einem Liegestuhl sitzt und dabei eine genauso große Gelassenheit ausstrahlt wie seine Frau, die mit ihrer kleinen Tochter spielt. Sie scheinen beide so glücklich und entspannt zu sein und ganz im Hier und Jetzt zu leben wie ihr Kind, während meine Gedanken dahin jagen, Achterbahn fahren und ich innerlich schon lange wieder zuhause bin, bei neuen Aufgaben und Pflichten. Ja, denke ich, vielleicht stimmt es und die Zeit hört auf zu rasen, wenn man ganz da angekommen ist, wo man immer hinwollte, wenn man eine tiefe innere Zufriedenheit und Erfüllung verspürt. Und ich wünsche mir, dass mein Leben auch ein wenig an Tempo verliert, dass ich mehr in der Gegenwart verweile, statt ständig in der Vergangenheit festzuhängen oder schon in der Zukunft herum zu springen und das Jetzt dabei gar nicht richtig wahrzunehmen.</description>
    <dc:creator>feinstrick</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://feinstrick.twoday.net/topics/Wohnzimmer&quot;&gt;Wohnzimmer&lt;/a&gt;</dc:subject>
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  <item rdf:about="http://feinstrick.twoday.net/stories/5087383/">
    <title>Ausblicke</title>
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    <description>Ich schaue gerne aus dem Fenster. Als alte Frau werde ich vermutlich mal mit einem Kissen auf dem Fenstersims enden, auf dem ich mich abstütze, während ich die Welt beobachte. Bisher beschränke ich mich jedoch darauf, diskret bei geschlossenem Fenster hinaus zu schauen oder unauffällig zwischen den Blumentöpfen auf dem Balkon hindurch zu schielen. Dabei geht es mir gar nicht so sehr darum, was ich beobachte, sondern was ich dabei fühle, in welcher Stimmung ich bin, wenn ich zum Fenster hinaus schaue. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich sehr genau an die Ausblicke aus den jeweiligen Häusern, in denen ich gewohnt habe. Als kleines Kind wohnte ich kurze Zeit in einem Mehrfamilienhaus, in dem ich liebend gerne auf dem Fensterbrett im Ess- und Spielzimmer kniete, mir die Nase an der Scheibe platt drückte und das Treiben auf der Straße verfolgte. Es gibt sogar ein Foto von mir, auf dem ich mit meinem großen Bruder auf besagtem Fensterbrett sitze. An zwei Szenen erinnere ich mich besonders, die mit diesem Fenster verbunden sind. Einmal beobachtete ich voller Faszination dicke Schneeflocken, die wie die Bettfedern von Frau Holle sanft und leise vom Himmel fielen. Während ich in immer wiederkehrendem Singsang Schneeflöckchen, Weißröckchen sang, wirbelten die großen, weichen Schneeflocken am Fenster vorbei und bedeckten langsam Dächer und Wege mit einem weißen Zuckerguss. Ein andermal hockte ich mit schlimmen Ohrenschmerzen auf dem Fensterbrett und musste das Haus hüten, besonders auch, da draußen ein schlimmer Sturm um die Häuser heulte. Er wirbelte trockenes Laub, Plastiktüten und was sonst noch so auf den Straßen herumlag, durch die Luft und brachte einige Bäume dazu, beängstigend laut zu ächzen. Und dann fiel mit lautem Krach eine Dachpfanne vom Dach der Schule, die genau gegenüber auf der anderen Straßenseite stand. Meine Geschwister gesellten sich zu mir und wir beobachteten aufgeregt, wie noch weitere Dachpfannen vom Dach gefegt wurden und auf dem Fußweg zerschmetterten. Schließlich rückte die Feuerwehr an und sperrte den Weg um die Schule herum ab, damit keine Passanten zu Schaden kamen. Ich vergaß meine Ohrenschmerzen vollkommen, so spannend war das.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein späteres Leben ist vor allem von Ausblicken auf Bäume geprägt. In dem Haus, in dem ich den größten Teil meiner Kindheit verbrachte, stand vor meinem Fenster eine große Trauerweide. Ich schob gerne die Gardinen zur Seite und schaute hinaus in den Garten. Manchmal setzte ich mich auch noch auf das Fensterbrett, aber als ich groß genug war, um hinaus sehen zu können, stand ich meistens und stützte meine Ellbogen auf der schmalen Steinplatte ab. Es gab sehr viele Vögel in diesem Garten und durch meinen Bruder, der Mitglied im Vogelschutzbund war, lernte ich schon früh die einzelnen Arten zu unterscheiden, die sich im Winter an dem großen Vogelhaus rechts neben der Trauerweide tummelten oder im Sommer versteckt in den Ästen der Bäume hockten. Im Winter sah die Weide sehr trostlos aus und machte ihrem Namen alle Ehre. Die langen, dünnen Zweige hingen nackt und dunkel vom Baum herab. Doch im Sommer bot der Baum einen prachtvollen Anblick. Fast scheint es mir so, als könnte ich in der Erinnerung jedes einzelne der schmalen, silbrig-grünen Blätter erkennen, als wüsste ich noch genau, wie jeder Ast gewachsen war und wie der dicke Stamm aussah. Immer häufiger träumte ich vor mich hin, während ich am Fenster stand, und meine Gedanken verfingen sich in den ausladenden Ästen und schwangen leise mit ihnen im Wind. Ich wusste, eines Tages würde ich diesen Baum nicht mehr sehen können. Aber die Erinnerung an ihn wollte ich unbedingt festhalten, das war mir eigenartigerweise schon sehr früh wichtig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Baum, der eine große Bedeutung für mich hatte, stand im Garten des Hauses, in dem ich während meines Studiums lebte. Es war ein alter, verwilderter und total ungepflegter Garten. Direkt vor meinem Fenster befand sich eine Reihe dünner Fichten, die mich wenig beeindruckten, obwohl sie den Garten im Winter nicht ganz so trostlos erscheinen ließen. Wichtiger war mir ein alter Apfelbaum mit einem krummen, gewundenen Stamm, der vor dem Küchenfenster stand, den ich aus meinem eigenen Zimmer aber auch gut sehen konnte. Seine üppigen weißen Blüten im Frühling erinnerten mich an die Apfelbäume im Garten meiner Kindertage (die auch eine große Rolle in meinem Leben spielten, aber nicht unter der Rubrik Fensterblick). Allerdings trug er längst nicht so viele Früchte wie jene Bäume. Ich schaute oft voller Sehnsucht hinaus auf diesen Baum und verfolgte seine Veränderungen im Wandel der Jahreszeiten. Auch ich veränderte mich. Orientierungslos irrte ich durchs Leben auf der Suche nach neuer Beständigkeit, während ich keine Idee hatte, was ich mit meinem Studium jemals anfangen sollte. Meine Studentenwohnung jedoch wurde mir über die Jahre mit all den anderen Mitbewohnern zu einem neuen Zuhause, in dem ich eine Geborgenheit erlebte, die ich in meinem Elternhaus manchmal vermisst hatte, so sehr mich diese Erkenntnis auch erschreckte. Doch dieser Apfelbaum da draußen in dem alten Garten, der stellte irgendwie eine Verbindung zu meiner Familie, meiner Vergangenheit her. Und er hörte mir zu, wenn ich hilfesuchend hinaus schaute und tröstete mich, wenn mir die Tränen haltlos über das Gesicht liefen, weil ich wieder mal Liebeskummer hatte oder von einer grässlichen Melancholie erfasst wurde, die mir das Leben damals manchmal unnötig erschwerte. Ich machte mehrere Fotos von ihm, bevor ich aus der Wohnung auszog und nahm sehr bewusst von diesem Apfelbaum Abschied. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute schaue ich aus einem meiner Fenster auf eine große Kastanie. Sie steht dichter am Haus als all die Bäume in den Häusern, in denen ich früher lebte und schirmt die Sonne ab, so dass es in dem Zimmer leider sehr dunkel ist. Aber ich liebe diesen Baum dennoch und bin sehr glücklich über das üppige Grün inmitten der grauen Großstadt. Im Winter und Frühling turnen Eichhörnchen in den dicken Ästen herum und zaubern mir jeden Morgen ein Schmunzeln ins Gesicht, sobald ich die Vorhänge öffne. Im Frühling kann ich den Blättern zusehen, wie sie sich stündlich mehr aus den Zweigen hervorschälen und sich dann in einer Pracht entfalten, die leider schnell vorüber ist. Die Blütenkerzen sind genauso faszinierend wie die stacheligen Kastanien, die jetzt Ende Juli schon eine beachtliche Größe erreicht haben und von denen ich im Oktober einige aufsammle und meine Wohnung damit schmücke. Leider sind auch die &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Rosskastanienminiermotte&quot;&gt;&lt;b&gt;Miniermotten&lt;/b&gt;&lt;/a&gt; schon wieder aktiv gewesen, so dass viele Blätter zerfressen sind und erste braune Flecken aufweisen. Immerhin scheint der Baum nicht so schlimm betroffen zu sein, wie viele Kastanien in öffentlichen Parks, die zum Teil schon aussehen wie im Spätherbst. Ich leide dennoch jedes Jahr mit dem Baum mit, so wie er wohl auch mit mir mitleidet. Dieser Baum kennt meine Einsamkeiten und Ängste, er weiß um meine Sehnsüchte und auch um mein Glück. Er schaut hinein in das Zimmer, in dem ich arbeite und schlafe, in dem ich kreativ bin, in dem ich Männer geliebt habe und später um sie weinte. Ich frage mich, wie alt dieser Baum wohl sein mag und was er schon alles gesehen hat, bevor ich hier einzog. Aber er ist ein verschwiegener Geselle, schweigsam und erhaben. Doch genau das schätze ich so an ihm, und ich weiß jetzt schon eins: Wenn ich eines Tages aus dieser Wohnung ausziehen werde, so vergesse ich diese alte Kastanie garantiert niemals, wohin auch immer es mich verschlagen wird.</description>
    <dc:creator>feinstrick</dc:creator>
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    <title>Virtuelle Liebe</title>
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    <description>Ich gebe es zu, ich bin leicht verführbar. Wenn ich schöne Worte lese, kunstvoll formuliert, vor Witz sprühend und Wärme ausstrahlend, dann ist es schnell um mich geschehen. Dann lasse ich mich hinreißen zu Fantasien, in denen ich mir selbst all die Geschichten erzähle, die zwischen die Zeilen passen, in denen ich so lange über Glück und Liebe nachdenke, bis mein Herz anfängt zu rasen, sobald ich meinen Rechner hochfahre. Dabei sind es doch nur Worte, die ich dort finde  in meiner Mailbox, einem Blog, bei Twitter oder sonst wo. Es ist kein Mensch, den ich anfassen, dessen Geruch ich atmen, dessen Lachen ich hören kann. Ich habe mich schon in viele zauberhafte Worte verliebt, mich ihnen virtuell hingegeben und dabei eine Nähe und Vertrautheit gespürt, die mich faszinierte. Ich habe mich in Mailwechseln vollkommen verloren und mir eingebildet, dass all diese schönen Worte echt waren, dass ich sie leben konnte. Ein Buchstabe für Buchstabe hingehauchter Kuss erlangte so auf einmal mehr Bedeutung als eine reale Umarmung. Ich war hungrig nach immer neuen Worten, süchtig nach den Gefühlen, die sie in mir erzeugten, nach der Möglichkeit, mich selber zu öffnen, auf eine Weise, wie ich es real nie tun würde  schon gar nicht einem Unbekannten gegenüber, den ich noch nie zuvor gesehen habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendwann kommt allerdings in jeder virtuellen Liebe der Punkt, an dem man sich unweigerlich fragt, wie es weiter geht. Zerstört schon ein Foto alle Illusionen der Vollkommenheit? Entzaubert bereits der Klang einer Stimme die geschriebenen Worte? Und was, wenn man noch einen Schritt weiter geht und sich real trifft? Ist das dann ein Ende oder ein Anfang? Will man es überhaupt riskieren, dieser Frage auf den Grund zu gehen? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daniel Glattauer riskiert es. In seinem Roman &lt;a href=&quot;http://www.amazon.de/Gut-gegen-Nordwind-Daniel-Glattauer/dp/3442465869/ref=sr_1_2?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1216466045&amp;sr=8-2&quot;&gt;&lt;b&gt;&quot;Gut gegen Nordwind&quot;&lt;/b&gt;&lt;/a&gt;. Sehr treffend und genau beobachtet schildert er das Wechselbad der Gefühle, in dem man sich urplötzlich wiederfinden kann, und er lässt den Leser teilhaben an der Auseinandersetzung mit der Frage: Wenn man sich virtuell verliebt, können die Fantasien im Kopf dann der Realität standhalten? Mit feinem Humor beschreibt er, wie der Mailwechsel mit einem Fremden das eigene Leben völlig auf den Kopf stellen kann und ein virtueller Kontakt auf einmal wichtiger wird als das reale Leben. Er beschreibt die Sehnsüchte, die von geschriebenen Worten geweckt werden und schließlich in eine Sucht übergehen  Sucht nach noch mehr schönen Worten, nach Lebendigkeit, aber auch nach Illusion. Manchmal kann eine reale Begegnung dann sehr ernüchternd und heilsam sein. Manchmal aber macht sie auch alles erst recht kompliziert und verwirrend. Ich habe beides erlebt und weiß, dass sich ein Verhältnis total verändert, wenn man es aus dem virtuellen Raum heraus in die reale Welt transportiert. Aufregend ist die Veränderung in jedem Fall. Die Spannung, die sich aus diesem Widerstreit der Gefühle ergibt, hält Daniel Glattauer sehr gekonnt und auf faszinierende Weise bis zum Schluss seines Romans aufrecht. Ein absolutes Lese-Muss für alle, die sich schon mal in eine E-Mail verliebt haben.</description>
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    <dc:date>2008-07-19T11:21:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://feinstrick.twoday.net/stories/5029114/">
    <title>Die kleinen Dinge</title>
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    <description>Manchmal sind es die kleinen Dinge, die das Leben einfach wundervoll machen. Frankfurter Kränzchen zum Beispiel, die von Tag zu Tag aromatischer werden, weil die Buttercrème den Teig immer mehr durchdringt. Oder Risotto mit Sellerie, Tomaten und gebackenem Ricotta, das auch am nächsten Tag noch großartig schmeckt, besonders, weil die feine Schärfe der Chilis jetzt noch intensiver auf der Zunge zu spüren ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind die weinseligen Gespräche auf dem Balkon oder spätabends in der Küche, begleitet von viel Lachen und Heiterkeit, Träumen und Sehnsüchten, Ermutigung und Bestärkung. Die Spaziergänge an Elbe und Alster, das Ausklingen des Tages, in Wolldecken gehüllt, mit Blick auf den Fischmarkt, das Gefühl von großem Vertrauen und viel Nähe, von Verstehen trotz all der Unterschiede  oder vielleicht gerade deswegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal braucht es eben nicht viel für ein vollkommenes Wochenende. Und für eine wunderschöne Freundschaft.</description>
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    <dc:date>2008-06-30T12:17:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://feinstrick.twoday.net/stories/5017404/">
    <title>Historisch</title>
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    <description>Als ich gestern durch mein Viertel spazierte, gingen mir ein paar Fragen durch den Kopf, die ich gerne einem Bekannten gestellt hätte, der sich sehr gut mit der Geschichte des Stadtteils auskennt. Doch während ich noch in Gedanken seine warme Stimme hörte, die mir voller Begeisterung historische Details erläuterte, fiel mir mit Schrecken ein, dass dieser Mann gar nicht mehr lebt.&lt;br /&gt;
Er ist im letzten Winter gestorben. An einer Hirnblutung. Mit Mitte fünfzig. &lt;br /&gt;
Nun ist also auch er Vergangenheit.</description>
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  <item rdf:about="http://feinstrick.twoday.net/stories/5016644/">
    <title>Männer</title>
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    <description>Ich habe mit Männern einfach kein gutes Händchen. Jene, in deren Nähe ich mich wohl fühle und bei denen ich gerne verweilen würde, halten es nicht lange mit mir aus und machen sich aus dem Staub, sobald es ihnen zu anstrengend mit mir wird. Aber die Männer, die ich langweilig, anstrengend und nervtötend finde, von denen ich mich belästigt und bedrängt fühle, die kleben an mir wie die Schmeißfliegen an einem Kuhfladen, selbst dann noch, wenn ich sie unmissverständlich in die Wüste schicke, wieder und wieder. Kann es sein, dass hier irgendwas gründlich falsch läuft?</description>
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    <title>Schweigen</title>
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    <description>Ich habe grade gar nicht viel zu sagen. Nur zu denken und zu fühlen. Gestern sagte mir jemand, den ich länger nicht gesehen hatte, ich würde so entspannt und erholt wie seit Ewigkeiten nicht mehr aussehen. Seltsam, wo ich mich doch selbst sehr müde und erschöpft fühle. Ich weiß, das hat viel mit dem Wetter und dem Mond zu tun, und auch mit inneren Befindlichkeiten. Aber es hängt auch damit zusammen, dass ich mir zu wenig Raum für körperliche Erholung nehme. Ich bin so unsäglich disziplinlos und ärgere mich deswegen immer wieder über mich selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
****&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich glaube, ich weiß jetzt, was &lt;a href=&quot;http://feinstrick.twoday.net/stories/4985516/&quot;&gt;&lt;b&gt;diese&lt;/b&gt;&lt;/a&gt; Träume zu bedeuten hatten, was da zuende gegangen ist. Ich wollte es erst nicht wahrhaben, habe mich viel zu lange an etwas geklammert. Aber da ist ein Schweigen, das mir täglich klarer wird und das ich mittlerweile sehr gut kenne. Es tut nicht mal mehr sonderlich weh, wie seltsam. Aber vielleicht gab es einfach schon zu viele Abschiede, tränenreich, schmerzhaft, so dass diesmal nur noch diese Erschöpfung ist, wie wenn man nach einer sehr langen, beschwerlichen Reise endlich angekommen ist und feststellt, dass das Wirtshaus, in dem man einkehren wollte, mittlerweile abgebrannt ist und man auf freiem Feld nächtigen muss.</description>
    <dc:creator>feinstrick</dc:creator>
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    <dc:date>2008-06-19T07:48:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://feinstrick.twoday.net/stories/4985516/">
    <title>Gestorben</title>
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    <description>Dreimal träumte ich in den letzten Wochen kurz hintereinander vom Tod. Erst starben meine Geschwister, dann bereitete ich mich auf meinen eigenen Tod vor. Das Sterben meiner Schwester und meines Bruders erschütterte mich zutiefst und ließ mich völlig verstört aufwachen, und angesichts meiner eigenen Endlichkeit vergoss ich noch im Schlaf verzweifelte Tränen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendetwas scheint in mir abzusterben, sich zu verändern, zu erneuern. Ist das ein Zeichen dafür, dass ein langer Lebensabschnitt zu Ende geht? Eine Zeit, die mit einer großen Suche verbunden war. Suche nach Glück, nach Erfüllung von Sehnsüchten, nach Liebe und Geborgenheit. Ich habe an Illusionen festgehalten, mich in Sackgassen manövriert, mich beruflich ins Aus geschossen und privat viel riskiert, aber noch mehr verloren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt? Was wird jetzt kommen? Noch hat sich nicht viel geändert. Gut, beruflich schon, aber innerlich scheine ich immer noch die Alte zu sein mit den gleichen Ängsten und Unsicherheiten, der gleichen Sehnsucht und Suche wie eh und je. Ich schleppe noch eine Menge Altlasten mit mir herum, ungeklärte Geschichten, die mich quälen und lähmen. Ich schleppe MICH mit mir herum. Aber das lässt sich nicht ändern. Vielleicht sollte ich stattdessen lernen, mich mehr zu akzeptieren, so wie ich bin, und nicht ständig versuchen, mich umzuformen, damit ich in die Normen passe, die man mir vorgibt. Mir scheint, vor mir liegt noch ein sehr, sehr langer Weg. Aber Veränderung findet nur statt, wenn man sich bewegt. Und seien die Schritte noch so winzig, die man macht, die Rückschläge noch so groß. Irgendwann wird man irgendwo ankommen. Oder?</description>
    <dc:creator>feinstrick</dc:creator>
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    <dc:date>2008-06-11T07:25:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://feinstrick.twoday.net/stories/4977341/">
    <title>Fluss der Zeit</title>
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    <description>Der Augenblick, in dem ich erkenne, dass der Frühling vorbei ist, fühlt sich von Jahr zu Jahr schmerzhafter an. Im stummen Erschrecken registriere ich, dass sattes Grün üppig bunte Blüten abgelöst hat, dass die Wiesen verdorrt sind und an den Bäumen bereits die Früchte reifen. Und wenn ich die schwüle, staubige Luft des Sommers atme und nicht mehr die frische Leichtigkeit des Frühlings, weiß ich, dass die Zeit auch in diesem Jahr nicht stehen bleibt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nach dem Winter die Tage länger werden, wächst die Sehnsucht in mir und mit ihr die Hoffnung, sie in diesem Jahr endlich stillen zu können. Sie breitet sich aus, setzt sich in meinem Herzen fest und gleitet mit leiser Melancholie mit mir in den Sommer hinüber. Doch ich ahne bereits in jenen Momenten, in denen ich das Ende des Frühlings entdecke, was sich später im Herbst bestätigen wird: Die Zeit geht ihren Gang und ich mit ihr, ohne dass mein Herz sich beruhigt, dass es endlich da angekommen ist, wo es sich ausruhen und wachsen kann. Ich vermag nichts festzuhalten, weder den Frühling noch meine Vergänglichkeit oder die Liebe. Ich atme einfach nur weiter, mal leichte Frühlingsluft, mal vertrockneten Sommer oder bitterkalten Winter, bis ich im Herbst angekommen bin und erkenne, auf welchen Feldern ich eine üppige Ernte einfahren kann und wo die Sehnsucht wie Unkraut gewachsen ist und alles Fruchtbare verdrängt hat.</description>
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    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 feinstrick</dc:rights>
    <dc:date>2008-06-07T09:12:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://feinstrick.twoday.net/stories/4962255/">
    <title>Blütenmeer</title>
    <link>http://feinstrick.twoday.net/stories/4962255/</link>
    <description>Üppigst wogen die &lt;a href=&quot;http://farm3.static.flickr.com/2272/2537675341_be9fb5b4d5.jpg&quot;&gt;&lt;b&gt;Pfingstrosen&lt;/b&gt;&lt;/a&gt; in meiner Wohnung, ein Blütenmeer in Rosa und Weiß durchflutet jeden Winkel, verbreitet betörend süßen Duft und hinterlässt ein klebriges Gefühl an den Fingern, wenn man sie eintaucht in diese Pracht. Die weißen Blumen sehen zauberhaft unschuldig aus und passen mit ihren violett geränderten äußeren Blütenblättern wunderbar zu meinen neuen Vorhängen. Die rosa Blüten kommen prall und herausfordernd daher und setzen Akzente. Ich staune und genieße, freue mich und denke, dass meine Wohnung selten so festlich wirkte und gleichzeitig frühlingshaft leicht wie in diesen Tagen. Eigentlich müsste ich tatsächlich ein Fest feiern, um mehr Menschen an diesem Blumentraum teilhaben zu lassen. Doch wer weiß, dann würde er vielleicht ganz schnell verwelken.</description>
    <dc:creator>feinstrick</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://feinstrick.twoday.net/topics/Wohnzimmer&quot;&gt;Wohnzimmer&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 feinstrick</dc:rights>
    <dc:date>2008-05-31T09:05:00Z</dc:date>
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    <title>Lange Wege</title>
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    <description>Ich bin heute einen sehr langen Weg gegangen, innerlich wie äußerlich. Ich habe die Sonne nicht wahrgenommen und auch die vielen, vielen Menschen um mich herum nicht. Ich habe den Durst ignoriert, und der Schmerz in meinen Füßen hat sich irgendwann im Zorn meines Herzens aufgelöst. Jetzt tun mir die Füße immer noch weh, ich habe Kopfschmerzen und fühle mich sehr, sehr erschöpft  und so leer wie die Halle eines Kreuzfahrtterminals, in der ich einen Moment lang verweilte, Besinnung hielt, mich ausgeschlossen und gleichzeitig erleichtert fühlte. Manchmal ist es gut, etwas oder jemanden zu verpassen, die Demütigungen nicht noch größer werden zu lassen, nicht alle schmutzigen Details der Wahrheit anschauen zu müssen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal ist es aber auch gut, hinzuschauen, zu erkennen, dass ein Traum ausgeträumt ist, obwohl er sich im eigenen Herzen so tief eingegraben hat, dass er ein Teil von ihm geworden ist, zusammen mit dieser großen, alles erfüllenden Sehnsucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist gut, wenn man sich klarmacht, dass man andere Menschen nicht ändern kann. Sie werden niemals so sein, wie man sich das wünscht, sondern immer Gefangene ihrer selbst, mit allen Fehlern und Schwächen. Meistens kann man diese Schwächen akzeptieren und sie vielleicht sogar als liebenswerte Marotten hinnehmen. Schließlich hat man selber auch eine Menge Fehler. Manchmal sind diese Schwächen aber selbst bei viel Liebe und Toleranz unverzeihlich, weil sie zerstören und vernichten, statt zu vereinen und versöhnen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist auch gut, sich klarzumachen, dass Vergebung und Versöhnung nicht identisch sind mit Vertrauen. Manchmal muss man feststellen, dass man zwar verzeihen und wohl auch lieben, aber nicht mehr vertrauen kann. Dass man alles und jedes hinterfragt, dass man ständig misstrauisch und auf der Hut ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal gibt es diese Momente, in denen man sein eigenes Leben glasklar vor sich sieht, alle eigenen Schwächen und Fehler, alle Irrwege und Abgründe, Sehnsüchte und unerfüllten Träume. Und man spürt, dass es Zeit ist, nach vorne zu schauen und nicht mehr länger im was wäre, wenn zu verweilen, sondern Abschied zu nehmen, loszulassen, die eigenen Sehnsüchte leise zu beerdigen und dann still seinen Weg weiter zu gehen, trotz wunder Füße, trotz blutenden Herzens, trotz wundervoller Träume  und auch trotz aller Liebe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal wacht man eben einfach auf.</description>
    <dc:creator>feinstrick</dc:creator>
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    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 feinstrick</dc:rights>
    <dc:date>2008-05-10T19:23:00Z</dc:date>
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    <title>Zweifel</title>
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    <description>Und dann höre ich wieder ihre Zweifel, und ihre skeptischen Blicke treffen mich durchs Telefon hindurch und lassen all den Mut zusammensinken, den ich mir so mühsam erschaffen hatte. Ich werde wieder klein und ängstlich, verzweifelt bemüht, mich zu verteidigen, aber es gelingt mir nicht, weil die Unsicherheit größer ist als der Glaube an mich selbst. Und ich verfluche diese destruktiven Familienstrukturen, in denen jeder nur gelernt hat, um sich zu beißen und den anderen seinen eigenen Weg aufzuzwängen, statt einander die Hände zu reichen, Ängste gemeinsam zu überwinden und sich gegenseitig zu stützen und stärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wann werde ich es endlich schaffen, mich von diesen Strukturen nicht mehr beeindrucken zu lassen?</description>
    <dc:creator>feinstrick</dc:creator>
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    <dc:date>2008-04-26T07:52:00Z</dc:date>
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    <title>Heimat</title>
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    <description>Nachdem meine Eltern gestorben waren und ich mich sehr leer und verloren fühlte, sagte mir ein weiser Mann folgendes:&lt;br /&gt;
Als meine eigenen Eltern vor vielen Jahren starben, begriff ich, dass ich heimatlos geworden war. Ich schuf mir daher eine neue Heimat, die ganz tief drinnen in mir entstand und die ich mit mir herumtrage, wo auch immer auf dieser Welt ich mich gerade befinde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mich beeindruckten diese Worte sehr und ich vergaß sie nie. Es war für mich ein langer, schmerzhafter Weg voller Hindernisse und Abgründe, bis ich die äußere Leere durch inneren Reichtum ersetzen konnte, aber ich glaube, ich bin mittlerweile am Ziel. Selbst dann, wenn die Leere mich wieder befällt, lähmt und erschreckt, weiß ich, dass sie nie über mich siegen wird, weil ich mir in meinem tiefsten Inneren eine Wohnung  eingerichtet habe, in der ich mich immer zuhause fühlen kann, in der ich Geborgenheit und Wärme spüre, selbst dann, wenn um mich herum alles kalt und nackt ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich glaube, diese innere Wohnung zu schaffen, ist das Beste, was ich in den letzten Jahren geleistet habe.</description>
    <dc:creator>feinstrick</dc:creator>
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    <dc:date>2008-04-21T20:40:00Z</dc:date>
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    <title>Drei Stunden</title>
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    <description>Eigentlich rief sie mich an, weil &lt;i&gt;sie&lt;/i&gt; etwas loswerden wollte. Doch ihre Geschichte war schnell erzählt und durchdiskutiert. Dann fing ich an. Ich redete viel. Viel mehr als sie. Viel, viel mehr. Zu viel, glaube ich. Dabei wollte ich meine Geschichte nur mit ein paar kurzen Sätzen umreißen und mich nicht lange mit Vergangenem aufhalten. Doch plötzlich war ich mittendrin, zeichnete nicht nur die großen Linien nach, sondern beleuchtete auch die kleinsten Details, die ich bereits für mich selber hunderte von Malen wiedergekäut habe. Ich verlor mich in unwesentlichen Erinnerungen und brachte vollkommen neue Aspekte ein, formulierte Gedanken und Gefühle ganz neu und setzte andere Akzente als früher. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie war eine gute Zuhörerin. Sie gab mir das Gefühl, die ganze Zeit aufmerksam dabei zu sein, jedes meiner Worte genau zu beachten. Dann und wann brachte sie kleine, sehr pointierte und kluge Gedanken ein, die mich dazu herausforderten, weiter in die Tiefe zu gehen, noch mal genauer hinzugucken. Ihr erfrischendes Lachen riss mich immer wieder mit und brachte viel Leichtigkeit in eine Geschichte, die eigentlich über viele Stellen gar nicht leicht sondern eher schwer und tief ist, von Ängsten und Zweifeln begleitet, von großer Leidenschaft getragen, aber auch voller Schuld und Schmerz. Ich stellte mir Fragen, die ich bisher nicht gestellt hatte und sagte Dinge, die ich so noch niemandem gesagt hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich so viel redete, meinen Redefluss auch nicht stoppen konnte, als wir bei ganz anderen Themen landeten, die nicht mehr so persönlich waren, die mich nicht mehr derart bewegten und beschäftigten. Sie wurde immer stiller, schien in ihrer Aufmerksamkeit nachzulassen, hielt aber von sich aus das Gespräch am Laufen und zwang mich förmlich, meine Monologe fortzusetzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt haben wir drei Stunden und elf Minuten telefoniert, sagte ich abschließend mit einem Blick auf mein Telefon. So lange? fragte sie erstaunt, und da merkte ich, dass es ihr wohl doch nicht langweilig geworden war, dass an meinen Geschichten irgendetwas war, das sie gefesselt hat. Ich dankte ihr, legte auf und spürte dem Brummen in meinem Kopf nach, den vor Müdigkeit brennenden Augen und all den Empfindungen, die in den letzten drei Stunden in mir zum Schwingen gekommen waren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da war auf einmal eine Ruhe in mir, die ich seit Tagen vermisste. Ich begriff, dass Vertrauen manchmal ein lebenslanger Lernprozess ist, der ohne Liebe nicht funktioniert, und dass auch Schuld und Vergebung niemals ohne Liebe sein können. Ich begriff, dass es gut ist, eine Geschichte immer aus möglichst vielen verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, um zu verstehen, warum etwas so ist, wie es ist und um den eigenen Standort richtig einordnen zu können. Ich begriff, dass ich noch sehr viel begreifen muss. Besonders, wenn es um etwas geht, das gleichzeitig so groß und so simpel ist wie die Liebe. Und ich war sehr dankbar, dass sie mir die Zeit gelassen hat, so lange zu reden, bis mir das alles selber klar wurde.</description>
    <dc:creator>feinstrick</dc:creator>
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    <dc:date>2008-04-15T23:14:00Z</dc:date>
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    <title>Frühjahrsputz</title>
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    <description>Der Frühling bringt Bewegung, Licht, Sonne, Wachstum, ein laues Lüftchen, das mir um die Nase weht, Aufbruchstimmung. Voller Glück schaue ich zu, wie es in den zahlreichen Töpfen auf meinem Balkon sprießt, in einigen schneller, in anderen langsamer. Bei einem Topf rätselte ich eine Woche lang, welche Pflanze darin eigentlich so eifrig ihre zarten Blattspitzen zum Himmel reckt. Ich hatte es über den langen, dunklen Winter vollkommen vergessen. Als es mir wieder einfiel, freute ich mich wie ein Kind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das helle Frühlingslicht leuchtet auch in die dunkelsten Ecken und bringt erbarmungslos all den Dreck zutage, der sich dort über Jahre angesammelt hat. Ich renoviere und mache sauber. Innerlich genauso wie äußerlich. Das ist anstrengend, mühsam, quälend. So manches Mal stehen mir die Tränen in den Augen, fühle ich mich erschöpft und mutlos, möchte ich alles hinschmeißen und mich nur noch verkriechen. Frühjahrsputz geht an die Substanz, fördert viel Altes zutage, das ich längst vergessen wähnte und hoffte. Ich sortiere, miste aus, entdecke, erkunde, probiere aus, werfe weg, gestalte neu, werfe wieder weg, mache die ersten Schritte zwischen all dem Neuen und stelle fest, dass ich mich darin überhaupt noch nicht wohl fühle. Es fehlt noch an Selbstvertrauen, an Mut, Zuversicht, Geborgenheit. Ich bin so verletzlich, so empfindsam wie die zarten Pflänzchen auf meinem Balkon, die der Frühlingssonne nicht trauen, weil sie den Frost der Nächte noch spüren. Sie können in der Kälte nur überleben, weil sie starke, gesunde Wurzeln haben. Ich bin auch tief im Boden verwurzelt, obwohl ich das oft genug vergesse und nur die Oberfläche betrachte, die so fragil erscheint, dass ich Angst bekomme und wie gelähmt bin, Kraft und Mut verliere und verzage an diesem Frühling, diesem Aufbruch, diesem Leben, diesem Ich.</description>
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